Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 4 (4)

und internationalen Kapitalmärkte 
(Kapitel 9, wobei in Kapitel 10  und 1 1  
auf die jeweiligen Besonderheiten der 
Beziehungen zwischen Realwirtschaf­
ten und Kapitalmärkten in den USA, 
der BRD und Japan eingegangen 
wird). Auch sie sind von Kurzfristig­
keit und Dynamiken spekulativer Er­
wartungen geprägt, was ihre Los­
gelöstheit von realwirtschaftlichen 
Bedingungen erklärt. 
Den tieferen Grund dafür ortet 
Kamppeter in der Überforderung der 
Devisen- und Kapitalmärkte: Die Er­
wartungsbildung ist durch enorme 
Unsicherheiten geprägt, sodaß sie, un­
ter Nichtbeachtung relevanter realer 
Entwicklungen, in einem kollektiven 
Prozeß der Marktteilnehmer erfolgt, 
der wiederum zumindest temporär 
Charakteristika einer self-fullfilling­
prophecy aufweist. Die zweite Ursa­
che besteht in der hohen Reaktionsge­
schwindigkeit und dem hohen Liqui­
ditätsgrad auf den monetären Märk­
ten. 
In nur eingeschränktem Ausmaß 
geht Kamppeter in seiner Arbeit auf 
die Bestimmungsgründe für die enor­
me Zunahme von Umfang und Dyna­
mik der monetären Märkte in den letz­
ten Jahren ein. Hier ergeben sich ohne 
Zweifel vielfältige interessante Fra­
gen. Ein wichtiger Ausgangspunkt für 
Auseinandersetzungen mit diesen Fra­
gen müßte dabei wohl m. E. die we­
sentlichen Änderungen im internatio­
nalen Regulierungsregime (zunehmen­
de Bedeutung des Monetarismus und 
der mit der Supply-side-economics 
verbundenen Deregulierungseuphorie) 
und die dahinterliegenden politökono­
mischen Ursachen sein. 
In einem nächsten Schritt stellt sich 
Kamppeter die Frage, welche Auswir­
kungen die Wechselkursbewegungen 
auf die Leistungsbilanzen haben. Die 
empirische Analyse für die USA und 
die BRD zeigt hierbei keine kausalen 
Zusammenhänge. Diese mangelnde 
Reagibilität ist dabei zumindest im 
Fall der USA - laut Kamppeter - kein 
Anlaß für Elastizitätspessimismus, je-
denfalls nicht auf der Angebotsseite, 
wo, verzögert um deutliche J-Kurven­
Effekte, "normale" Reaktionen fest­
stellbar sind. Hingegen verhinderten 
die Entwicklungen der Nachfrageseite 
entsprechende Verbesserungen der 
US-Leistungsbilanz nach den immen­
sen Abwertungen zwischen 1969 und 
1979 bzw. 1985 und 1987 .  
Als Erklärung bietet Kamppeter viel 
mehr den makroökonomisch orientier­
ten Absorptionsansatz an, wonach die 
Leistungsbilanzungleichgewichte der 
80er Jahre durch immense Ersparnis­
überschüsse in der BRD und in Japan 
(sinkende Budgetdefizite, geringere 
Unternehmensverschuldung, steigen­
de private Ersparnisbildung) und der 
dazu komplementären Ersparnislücke 
in den USA bedingt werden. 
In der Kamppetersehen Deutung 
müssen die überschüssigen privaten 
Ersparnisse der ERD, die in den 80er 
Jahren in deutlich geringerem Ausmaß 
durch Unternehmen und Staat bean­
sprucht wurden, notwendigerweise in 
Form von Kapitalexporten die US-Er­
sparnislücke finanzieren. Diese Ana­
lyse ist zwar der Saldenmechanik, die 
quasi tautologisch ist, nach richtig, 
scheint mir aber, vor allem die Kausa­
litätsbeziehungen betreffend, etwas zu 
wenig tiefgehend. In der Kreislauf­
theorie ist das private Sparen nämlich 
nicht eine autonome, sondern eine ab­
hängige Größe, die - neben dem Volks­
einkommen - von der Verteilungsrela­
tion beeinflußt wird. Das wiederum 
heißt, daß alternativ zu den Leistungs­
bilanzüberschüssen bzw. Kapitalex­
porten die Saldenmechanik auch über 
eine sinkende Gewinnquote und das 
daraus folgende geringere Sparen ge­
geben gewesen wäre. 
Dies zeigt sehr deutlich, daß Vertei­
lungsfragen in Zusammenhang mit in­
ternationalen monetären und realen 
Transaktionen viel mehr Aufmerk­
samkeit gewidmet werden sollte. 
Insgesamt ändert das aber nichts 
daran, daß - wie Kamppeter betont -
der, auf welchem Weg auch immer er­
folgende, Ausgleich der Absorptions-
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