Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 4 (4)

reichen Makrostabilisierung führen. Die Errichtung von Standard­
Marktinstitutionen, die in allen Marktwirtschaften evolutionär entstan­
den, ist eine Frage des längeren zeitlichen Horizonts, der nicht wesent­
lich beeinflußt werden kann. 
Über die Kontinuität und Schnelligkeit des weiteren Fortschreitens 
der ökonomischen Transformation wird der Erfolg der Durchsetzung 
und Durchführung einiger Systemänderungen und wirtschaftspoliti­
scher Maßnahmen entscheiden: 
1 .  Die Voraussetzung eines rationalen Verhaltens der Unternehmen ist 
die Schaffung und Kultivierung eines Marktmilieus, des Druckes des 
Marktes auf die Unternehmen einschließlich der Freigabe der Import­
barrieren und der Verbesserung der Arbeit der Antimonopolbehörden. 
2 .  Die rationale Selektion guter und schlechter Unternehmen ist ohne 
perfektes Funktionieren des Bankensektors nicht möglich. Die Erwei­
terung der Konkurrenz setzt auch die Vereinfachung des Eintritts aus­
ländischer Banken voraus. 
3. Der Schlüsselmoment der ganzen Transformation ist die Veränderung 
der Eigentumsverhältnisse. Die Verlangsamung oder die Unterbre­
chung des Privatisierungsprozesses könnte die Wirksamkeit anderer 
Maßnahmen und das Fortschreiten der Transformation blockieren. 
4 .  Die Bedingung der Schaffung und Erhaltung eines Konkurrenzmi­
lieus ist die Bildung eines starken Mittelstandes. Dies setzt die Ab­
schaffung der legislativen und ökonomischen Barrieren der kleinen 
und mittleren Unternehmertätigkeit und die Gewährung einer akti­
ven Unterstützung des Mittelstandes voraus. 
5. Mit Rücksicht auf die zeitlichen Ansprüche des Privatisierungspro­
zesses muß der Staat ein effizienteres Funktionieren der Unternehmen 
bis zu ihrer Privatisierung anstreben (z. B. durch den Abschluß von 
Managerkontrakten) und fähig sein, offensichtlich ineffiziente Unter­
nehmen zu liquidieren. 
6. In einem kapitalmäßig so schwachen Land wie der Tschechoslowakei 
kann der Eintritt des ausländischen Kapitals eine gewisse Rolle spie­
len. Dafür müssen jedoch legislative, wirtschaftliche und weitere Be­
dingungen geschaffen werden. 
7 .  Voraussetzung des Erfolges der einzelnen Reformmaßnahmen ist eine 
glaubhafte makroökonomische Politik, die auf die Veränderungen der 
ökonomischen Realität reagiert. 
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Die wirtschaftliche Entwicklung und den Transformationsprozeß 
kompliziert zur Zeit auch die Verschärfung der Beziehungen zwischen 
der Tschechischen und der Slowakischen Republik. Einer der wichtigen 
Gründe ist - wie die Untersuchungen zeigen - der Widerwille der slowa­
kischen Bevölkerung und der slowakischen politischen Repräsentation, 
das Transformationsprojekt in der Form zu realisieren, in der es verab­
schiedet wurde und durchgeführt wird. Trotz dem Einklang im Bereich 
der Aufte?lung der Kompetenzen zwischen der Föderation und den Re­
publiken zur Zeit der Verabschiedung des Kompetenzgesetzes, treten 
ständig Vorschläge der slowakischen Seite auf Errichtung einer slowaki­
schen Emissionsbank, Forderungen einer eigenen Preis-, Steuer- und 
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