WAS TUT DER MENSCH? 
Rezension von: Hans-Bernd Sch�fer, 
Klaus Wehrt (Hrsg.), Die �konomisie�
rung der Sozialwissenschaften. Sechs 
Wortmeldungen. Campus Verlag, 
Frankfurt/New York 1 989.  1 82 Seiten. 
Versucht der Mensch im Rahmen 
seiner M�glichkeiten das Beste aus 
seiner Situation zu machen, seinen 
Nutzen zu maximieren? Oder bestim�
men ihn moralische Einfl�sse und ge�
sellschaftliche Str�mungen eine Rolle 
zu spielen, und drohen ihm Strafen, 
wenn er aus der Rolle f�llt? 
Soll man also auf den homo oecono�
micus oder den homo sociologicus set�
zen, wenn man menschliches Verhal�
ten erkl�ren, ja prognostizieren will? 
Die voliegenden �berarbeiteten Fas�
sungen von Vortr�gen an der Univer�
sit�t Harnburg im Wintersemester 
1988/89 gehen der Frage nach, ob es 
zweckm��ig, notwendig oder abzuleh�
nen ist, auf das von den Mainstream�
�konomen verwendete Menschenbild 
auch in anderen Sozialwissenschaften 
zur�ckzugreifen. �konomen erfahren 
bei dieser Gelegenheit, was andere So�
zialwissenschafter von ihrer wissen�
schaftlichen Methode halten und sind 
aufgerufen, ihre Modellannahmen 
deutlich zu machen und ihr Erkennt�
nisziel darzulegen. So kommt ein Pro�
fessor f�r Volkswirtschaftslehre zu 
dem Ergebnis (Engelhardt, S. 38),  da� 
viele (die meisten?) �konomen keinen 
Anspruch erheben, "das tats�chliche 
oder zu erwartende Verhalten von 
Menschen in den jeweiligen Hand�
lungszusammenh�ngen umfassend zu 
erkl�ren bzw. richtig vorherzusagen" .  
Ihr Erkenntnisinteresse liegt "eher im 
soziotechnologisch-normativen Be�
reich" .  Denn aus entscheidungslogi�
schen Transformationen (Tautologi-
sierungen) axiomatisch eingef�hrter 
Begriffskategorien k�nne man keine 
empirisch gehaltvollen Verhaltens�
theorien gewinnen. Dazu kann man 
nur anmerken, da� das ja ein Grund 
f�r viele �konomen ist, den homo oe�
conomicus als Fossil zu betrachten 
und nach Erkenntnis anderswo zu su�
chen. 
Offenbar betrachten nun Soziologen 
oder Psychologen Arbeiten �ber die 
�konomie von Kinderzahl, Scheidung, 
die einkommensabh�ngige Gestaltung 
der Freizeit (Fu�ball versus Golf) oder 
das Religionsbekenntnis (Spende ver�
sus Teilnahme am religi�sen Leben) 
als "Expansionstendenzen �konomi�
scher Entscheidungslogik in Gebiete 
au�erhalb des tradierten Erkenntnis�
objektes der "Wirtschaft" (Engel�
hardt, S. 45). Und es wird diskutiert, 
ob das hilfreich sei, weil "axiomati�
sche Geschlossenheit und zugleich 
hochgradige Differenziertheit �kono�
mischer Analyseans�tze" (Engelhardt, 
S. 20) es der �konomie erlauben, mit 
den Naturwissenschaften zu konkur�
rieren. 
Feger zeigt in seinem Beitrag "Die 
Bedeutung des homo oeconomicus f�r 
die Psychologie" ,  da� Psychologen f�r 
Entscheidungssituationen auf die Idee 
gekommen sind, einen ausschlie�lich 
von wirtschaftlichen Zweckm��ig�
keitserw�gungen geleiteten Menschen 
�berhaupt ernstzunehmen. Rationa�
lit�t und Nutzen wurden Kriterien der 
formalen Entscheidungstheorie, die in 
empirisch pr�fbare Hypothesen um�
setzbar war. Allerdings: "Es gibt keine 
Grundannahme, die nicht in wenig�
stens einem Experiment falsifiziert 
wird." (Feger, S. 57) 
So entscheiden sich Menschen nicht 
f�r das Beste, sondern f�r etwas, was 
sie zufriedenstellt. Es wird in be�
stimmten Situationen auf eine voll�
st�ndige Analyse verzichtet, weil sie 
zu anstrengend oder zu zeitraubend 
ist. Obwohl also die formale Entschei�
dungstheorie kein allgemeing�ltiges 
Modell menschlichen Verhaltens dar-
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