Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft 
stellt, wurde sie vor allem in den USA 
zur Grundlage professionalisierter 
Entscheidungsberatung. Was die 
Transmissionsprozesse vom Individu­
alverhalten zum Kollektivverhalten 
betrifft, so führt Feger an, daß hier 
Normen (Fairneß), Werte (gerechte 
Aufteilung) und Erwartungen (über 
die Wahrscheinlichkeit künftiger In­
teraktionen) eine Rolle spielen. 
Frey kommt in seiner Analyse der 
Anwendung ökonomischer Denkweise 
für die Mikroökonomie zu dem Ergeb­
nis, daß sie hier nur wenig zur Lösung 
von Gegenwartsproblemen beiträgt. 
Und auch die Makroökonomie könne 
durch ein realistischeres Men­
schenbild und die Berücksichtigung 
von Institutionen nur gewinnen. 
Er sieht drei Schwächen des ökono­
mischen Verhaltensmodells in Zusam­
menhang mit dem Trittbrettfahren bei 
öffentlichen Gütern, den verzerrten 
Wahrnehmungen und der Schwierig­
keit, Menschen zu beeinflussen. 
Opp arbeitet in seinem Beitrag die 
Gemeinsamkeiten von Ökonomie und 
Soziologie heraus und kommt zu der 
Schlußfolgerung " . . .  der ökonomische 
Imperialismus kann in der Soziologie 
sicherlich zu einem Erkenntnisfort­
schritt führen. Die Imperialisten soll­
ten aber nicht übersehen, daß sie von 
ihren Opfern auch etwas lernen kön­
nen. "  (S. 125) Nun könnte man aus sei­
nen Darlegungen aber auch einen ganz 
anderen Schluß ziehen. Er zitiert näm­
lich den "Erzkollektivist" Engels als 
Beleg dafür, daß das ökonomische Mo­
dell zur Erklärung allgemeiner gesell-
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1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 
schaftlicher Tatbestände geeignet sei. 
Engels sagt in diesem Zitat: "Die 
Zwecke der Handlungen sind gewollt, 
aber die Resultate, die wirklich aus 
den Handlungen folgen, sind nicht ge­
wollt oder, soweit sie dem gewollten 
Zweck zunächst doch zu entsprechen 
scheinen, haben sie schließlich ganz 
andere als die gewollten Folgen. "  
Folgt daraus nicht, daß, wenn Indivi­
duen ihren Nutzen maximieren, in 
Summe etwas herauskommt, was kei­
ner gewollt hat, und gemeinsame Ziele 
sicher nicht erreichbar sind, wenn je­
der tut, was ihm nützlich erscheint? 
Das Schlußwort sprechen Juristen. 
Ein Abwägen von Kosten und Nutzen 
könne es z. B. zu einer Optimierungs­
aufgabe werden lassen, inwieweit Ko­
sten für die Unfallverhütung im Ver­
gleich mit den finanziellen Schäden 
durch Unfälle gerechtfertigt sind. Ein 
Einfließen solcher Überlegungen kon­
kurriert allerdings mit anderen Zielen, 
die mit der Zubilligung von Ersatzan­
sprüchen verfolgt werden: der Wieder­
herstellung des gestörten Rechtsfrie­
dens, der moralischen Genugtuung für 
den Geschädigten und der Stärkung 
des Vertrauens in den Schutz durch 
die Rechtsordnung (Kötz, S. 1 6 1). 
In Summe erlauben die in diesem 
Band präsentierten Forschungsziele 
einzelner sozialwissenschaftlicher 
Disziplinen einen Blick in mehrere 
Wissenschaftsbereiche und fördern 
von einem außerhalb des eigenen 
Fachbereichs gelegenen Standpunkt 
die Reflexion über das eigene Tun. 
Irene Geldner
        

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