FINANZWISSENSCHAFTSLEHR�
B�CHER IM VERGLEICH 
Rezension von: Joseph E. Stiglitz, 
Bruno Sch�nfelder, Finanzwissen�
schaft, Oldenbourg-Verlag, M�n�
chen/Wien 1989,  772 Seiten, und: 
Dieter Br�mmerhoff, Finanzwissen�
schaft, 5. erweiterte und �berarbeitete 
Auflage, Oldenbourg-Verlag, M�n�
chen/Wien 1990,  548 Seiten. 
I. 
Die Entwicklung des �ffentlichen 
Sektors der sp�ten achtziger und der 
neunziger Jahre ist - dies wird kaum je�
mand noch bestreiten - durch eine mar�
kante Rollenwandlung bestimmt. Einer�
seits wird er in vielen Bereichen durch 
Privatisierung an Gewicht verlieren. In 
anderen wird sich die Organisations�
form des �ffentlichen Sektors �ndern. 
Manche Funktionen von Nationalstaa�
ten werden - zumindest in Westeuropa -
auf supranationale Zusammenschl�sse 
�bergehen. Andererseits ist angesichts 
der herrschenden Problemlagen zu er�
warten, da� auf den �ffentlichen Sektor 
insgesamt wichtige Aufgaben im Um�
welt- und Verkehrsbereich zukommen. 
Eine weitere einschneidende �nde�
rung betrifft die Sicht von Steuersy�
stemen. Traditionellerweise war man 
gewohnt, diese vor allem unter fiskali�
schen und redistributiven Sichtwei�
sen, sowie eventuell unter dem Aspekt 
der makro�konomischen Stabilisie�
rung zu sehen. Diskussionen wie jene 
um "�ko-Steuern" ,  um "Maschinen�
steuern" und um Progressionsabbau 
zeugen von der Einsicht, da� Steuersy�
steme einen umfassenden Eingriff in 
das Preissystem einer Volkswirtschaft 
darstellen und unter diesem Aspekt zu 
analysieren sind. 
Dieser Neudefinition des �ffentli�
chen Sektors sind in den siebziger Jah�
ren theoretische Innovationen voran�
gegangen, welche die Finanzwissen�
schaft von einer stark institutionell 
gepr�gten Sonderdisziplin endg�ltig 
zu einer allgemeinen Theorie nicht�
marktlicher Allokationsmechanismen 
machte - und damit zu einem integrie�
renden Teil der modernen theoreti�
schen �konomie �berhaupt. Man den�
ke nur an Bereiche wie die Optimal�
Steuertheorie oder "anreizkompa�
tible" Mechanismen der effizienten 
Bereitstellung �ffentlicher G�ter. 
Es sei dahingestellt, inwieweit die 
eingangs erw�hnte Verlagerung des 
Schwerpunkts in der politischen Dis�
kussion mit diesen theoretischen Inno�
vationen in Verbindung steht oder gar 
direkt auf diese zur�ckgeht. Im Be�
reich der Steuerreform ist ein solcher 
Zusammenhang allerdings evident. In�
dessen sollte man sich vor dem Trug�
schlu� h�ten, diese neuen Theorien 
lieferten L�sungen, die man nur "in 
die Praxis umsetzen" m��te. Ihre Be�
deutung besteht vielmehr meist darin, 
da� sie den begrifflichen Rahmen und 
pr�zise Argumente f�r einen qualifi�
zierteren Diskussionsproze� im politi�
schen Bereich liefern. 
Dies k�nnen sie aber nur leisten, 
wenn eine hinreichende Anzahl von in 
der Politikberatung, im Journalismus 
und in den Interessenvertretungen 
t�tigen Menschen die wesentlichen 
Argumente verstehen. Der sich daraus 
ergebenden Notwendigkeit, die zuerst 
nur in abstrakten und komplizierten 
Modellen formulierten Zusammen�
h�nge f�r ein nicht-spezialisiertes 
Fachpublikum zug�nglich zu machen, 
tr�gt nunmehr eine in den achtziger 
Jahren erschienene neue Generation 
von Lehrb�chern Rechnung. 
II. 
Dem ersten der hier besprochenen 
gelingt dies auf eine bemerkenswerte 
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