Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 2 (2)

1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 den Steuerkapiteln näher behandelt werden soll, bezieht sich auf die Be­ rechnung und graphische Darstellung des "Excess Burden" , die auf den Sei­ ten 252 und 276 angesprochen wird. Im einführenden Überblick zu den Einkommens- und Substitutionseffek­ ten schreibt Brümmerhoff: "Aus der geringen Gesamtwirkung einer Steu­ eränderung kann auch noch nicht ge­ schlosssen werden, daß keine verzer­ rende Wirkung vorliegt: Der Einkom­ menseffekt kann u. U. den Substituti­ onseffekt ausgleichen . . . " (S. 261) . Um daraus folgern zu können, daß für die Berechnung der Wohlfahrtsverlu­ ste der Besteuerung die kompensierten Nachfragefunktionell heranzuziehen sind (1) , bedarf es eines für ein ein­ führendes Lehrbuch wohl nicht allge­ mein vorauszusetzenden Verständnis­ ses und Vorwissens. In diesem Zusam­ menhang verweist Brümmerhoff auf S. 276 merkwürdigerweise auf den berühmten Artikel Rarhergers aus dem Jahr 1962 zur Steuerinzidenz. Die relevanten Ausführungen zur Berech­ nung der Mehrbelastung wären jedoch allenfalls (unter anderem) in Harber­ ger (1964) zu finden. VII. Eine neuerliche Überarbeitung des Buches sollte auch die Verbesserung vieler anderer kleiner Ungenauigkei­ ten und Ungereimtheiten beinhalten, auf die in diesem Rahmen nicht im De­ tail eingegangen werden kann. Weniger stoßen sollte man sich da­ gegen an der etwas stiefmütterlichen Behandlung einzelner wichtiger The­ men (wie etwa der normativen Kollek­ tiventscheidungstheorie). Es ist selbst­ verständlich, daß in einem so breiten Fach wie der Finanzwissenschaft jeder Autor legitimerweise auch bei einem Lehrbuch gewisse Gewichtungen hin­ sichtlich der Ausführlichkeit vor­ nimmt. Insgesamt ist in dieser Bezie­ hung an der Brümmerhoffschen Aus- Wirtschaft und Gesellschaft wahl wenig auszusetzen, zumal er es schafft, in einem prinzipiell auf eine moderne "Public Economics" ausge­ richtete Darstellung institutionelle und historische Gesichtspunkte aus der älteren deutschen Finanzwissen­ schaft sinnvoll zu integrieren. Das Bemühen Brümmerhoffs ist durchaus eindrucksvoll, auf relativ knappem Raum eine wirklich repräsentative Darstellung zu bieten, welche neueste Errungenschaften aus der "high theo­ ry" genauso berücksichtigt wie - um nur ein Beispiel zu nennen - marxisti­ sche Staatstheorien. Es ist nahezu natürlich, daß bei einer solchen Kon­ zeption Schwächen in Detailargumen­ tationen vorhanden sind. Indessen sollte bei der wünschenswerten neuer­ lichen Überarbeitung bedacht werden, daß bei Lehrbüchern "jede Unacht­ samkeit der Autoren schlaflose Nächte für etliche Studenten" (2) bedeutet. Rudolf Dujmovits Richard Sturn Anmerkungen (1) Vgl dazu Harberger (1964). (2) Felderer, Hornburg (1989) VI. Literatur Felderer, Bernhard; Homburg, Stefan, Ma­ kroökonomik und neue Makroökonomik (Berlin 1989, 4 . , korr. Aufl.) . Feldstein, Martin, The Welfare Cost of Ca­ pital Income Taxation, in: Journal of Po­ litical Economy 86/2 (1978) 29-51. Harberger, Arnold C. , Taxation, Resource Allocation, and Welfare, in: NEER and the Brookings Institution, The Role of Direct and Indirect Taxes in the Federal Revenue System (Princeton 1 964) 25-75. Wiederabgedruckt in: Harberger, Arnold C., Taxation and Welfare (Boston 1974) 25-62. Schneider, Dieter, Der Einkommensbegriff und die Einkommensteuerrechtspre­ chung, in: Finanzarchiv 42 (1984) 407-432 . 249

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