Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 2 (2)

WACHSTUM, ENTWICKLUNG 
ODER SELBSTZERSTÖRUNG? 
Rezension von: Hans-Jürgen 
Harborth, Dauerhafte Entwicklung 
statt globaler Selbstzerstörung: Eine 
Einführung in das Konzept des 
"Sustainable Development" ,  edition 
sigma, Rainer Bohn Verlag, Berlin 
1991 ,  124 Seiten, 19 ,80 DM, und 
Sigrun Preuss, Umweltkatastrophe 
Mensch: Über unsere Grenzen und 
Möglichkeiten, ökologisch bewußt zu 
handeln, Roland Asanger Verlag, 
Heidelberg 1991 ,  204 Seiten, 28 ,- DM. 
Trotz der in den letzten Jahren wie­
der recht hohen Wachstumsraten - be­
sonders in Westdeutschland - ist die 
kritische Diskussion um das Wirt­
schaftswachstum einerseits und die 
bis heute wenig befriedigende Ent­
wicklung in der sogenannten Dritten 
Welt andererseits noch nicht ver­
stummt. Nach einer Phase intensiven 
Analysierens der existierenden und 
kommenden Probleme gibt es seit eini­
ger Zeit auch erste globale Ansätze zu 
einer Strategie der Problemlösung. In 
dem Buch "Dauerhafte Entwicklung 
statt globaler Selbstzerstörung" von 
Hans-Jürgen Harboth wird das inzwi­
schen schon facettenreiche Modell 
"dauerhafte Entwicklung" vorgestellt. 
Angesichts der dort beschriebenen 
plausiblen Zusammenhänge und For­
derungen stellt sich die Frage, warum 
eine Umsetzung dieses alternativen, 
weltweit ansetzenden Entwicklungs­
pfades so schwer ist. Neben nahelie­
genden Antworten wie strukturkon­
servierenden sozio-ökonomischen und 
politischen Machtinteressen oder indi­
viduellen Wohlstands- und Bequem­
lichkeitsattitüden der Menschen in der 
ersten Welt, liefert Sigrun Preuss in 
ihrem Buch "Umweltkatastrophe 
Mensch" eine tiefgehende Analyse 
psychologischer Erklärungsansätze 
für die offensichtlichen menschlichen 
Erkenntnis- und Handlungsschwä­
chen. Die beiden Bücher ergänzen sich 
insofern recht gut, so daß eine gemein­
same Behandlung sinnvoll erscheint. 
Harborth beschreibt die prinzipiell 
schon seit 1798 mit dem Malthusseherr 
Bevölkerungsgesetz beginnende De­
batte um die langfristigen Entwick­
lungsperspektiven der Volkswirt­
schaften und diskutiert im histori­
schen Kontext die verschiedenen An­
sätze einer Theorie "dauerhafter Ent­
wicklung" (so den "Ecodevelopment­
Ansatz" ,  den "Dag-Hammerskjöld­
Bericht" und den "Brundtland-Be­
richt") .  Auf Einzelheiten dieser Kon­
zepte muß hier nicht eingegangen wer­
den, interessanter sind vielmehr die 
zugrundeliegenden Grundgedanken 
und die sich hieraus ergebenden 
Schlußfolgerungen. Ausgangspunkt 
der Überlegungen ist die Tatsache, daß 
das " . . .  Modell einer weltweiten Indu­
strialisierung nach dem Produktions­
und Konsumtionsmuster der Indu­
strieländer . . .  aus ökologischen Grün­
den nicht realisierbar (ist)" ,  und daß 
eine " . . .  ,andere Entwicklung' , nicht 
nur für die Entwicklungsländer, son­
dern gerade auch für die Industrielän­
der . . .  dringend erforderlich und auch 
grundsätzlich machbar (ist)" (S. 8). 
Wenn auch vielfältige Interessen von 
politisch-ökonomischen Machteliten 
und sicherlich auch die Wohlstandsbe­
quemlichkeit der Menschen in den In­
dustrieländern gegen eine solche revo­
lutionäre Umorientierung sprechen, 
so macht die Problemkonstellation 
"Bevölkerungswachstum-Ressourcen­
erschöpfung-Umweltzerstörung" ei­
nen grundsätzlichen Wandel in Wirt­
schaft und Gesellschaft unumgäng­
lich. Der heutige Lebensstandard in 
der westlichen Welt ist unter keinen 
Umständen demokratisierbar. Er ist 
vielmehr als oligarchischer Wohlstand 
(Harrod) zu begreifen. "Die Vorstel-
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