Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 2 (2)

1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 
Fischers Feststellung, der Kapitalis­
mus hat gewonnen, "der linke Antika­
pitalismus ist tot" ,  und sein Hinweis 
auf die gattungsbedrohenden Gefah­
ren führt Burger reflexhaft zur Zitie­
rung Wilhelms II. :  "Ich kenne keine 
Parteien mehr, ich kenne nur Deut­
sche" (mit augenzwinkernder Paralle­
le von Entente und Ozonloch). 
"Fischers Programm ist nicht radi­
kal, sondern rabiat - und gerade des­
halb hat es Aussicht auf Erfolg" 
(S. 8 5 ) .  Mit derlei kunstvollen Pirouet­
ten versteht es Burger, den Anspruch 
auf eine kritische Avantgardeposition 
mit weltweisem Zynismus zu verbin­
den (Star Wars oder Save the Earth 
Programm, "verdienen kann man an 
beidem") .  "Umwelt als Wachstums­
branche" :  Burger konzediert Fischer 
mit dieser Orientierung als prakti­
scher Politiker absolut recht zu haben, 
sympathisiert aber auch mit dem Ver­
such der "Besten der Grünen" ,  die 
Welt noch einmal zu poetisieren -wor­
aus das gespannte Verhältnis zwischen 
romantischer Basis und realistischen 
Funktionären sich "für die Logik die­
ser Partei als konstitutiv" ergebe (S. 
90).  Eben diesen "Besten" wird frei­
lich auf der nächsten Seite (ebenfalls 
in einem Falter-Aufsatz aus 1 989) irri­
tiert zugeschrieben, "ihre geradezu 
lähmende Friedfertigkeit mit eifern­
der Militanz" zu vertreten - auch ist 
Burger "gegen ihr Pathos allergisch, 
das jedem auf die Nerven geht, der 
nicht von Rohkost lebt" ("der Kothurn 
verrät die Zwerge" [S. 91]) .  
Das Beste, was man bei der Lage der 
Dinge erhoffen kann, wäre eine unter 
dem Druck der Grünen renovierte So-
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Wirtschaft und Gesellschaft 
zialdemokratie, gerade weil die keine 
Perspektiven bietet, wenigstens "keine 
fundamentalen",  seufzt uns der skep­
tisch gewordene linke Ministerialrat, 
der zum Professor geworden ist, auf 
Seite 96 zu. Da aber fragt man sich 
wieder: Warum muß er sich das links­
hegelianische Federl an den Hut 
stecken und spricht so bös vom braven 
Popper? 
Ersparen wir es uns, weiter in den 
Widersprüchen des edlen Rudi Burger 
herumzustochern. Thomas Pluch hat 
ihm eine "dandyistische Haltung" vor­
geworfen, und nachdem Burger diesen 
Vorwurf "gerne annimmt" (S. 97), be­
lassen wir es dabei. Genießen wir die 
funkelnden Paradoxien der "Abstri­
che" ,  machen wir still unsere eigenen 
Abstriche von dem, was da allzu wort­
beliebt und narzißtisch formuliert 
wird, und stellen wir das hübsche 
Buch neben unsere Adornos und 
Horkheimers, die vor ein paar Jahren 
in die hintere Reihe des Bücherschran­
kes gewandert sind, ohne uns deshalb 
unlieber zu werden. Der Rudi Burger, 
das ist eben doch noch ein allzeit Ge­
treuer . . .  
Robert Schediwy 
Anmerkung 
1 Theodor Adorno hieß eigentlich nach 
seinem Vater Wiesengrund. Er wählte 
aber für seine Publikationen den Na­
men der Mutter, die ihre Abkunft auf 
ein Genueser Dogengeschlecht zurück­
führte (vgl. G. P. Knapp; Th. W. Adorno 
[Berlin 1980], sowie Peter v. Haselbergs 
Aufsatz im Adorno-Sonderband von 
Text und Kritik [München 1977] 7 ff).
        

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