Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 2 (2)

1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
Schutzbedingungen erlassen, um Erfinder vor unabgegoltener Verwer­
tung ihrer geistigen Leistungen zu schützen und dergleichen mehr. 
Sowohl die Festlegung von Eigentumsrechten als auch die Ausgestal­
tung der Transaktionskosten erfordern ein gewisses Maß an Willens­
übereinstimmung zwischen den präsumtiven Normadressaten. Diese 
Willensübereinstimmung kann sich zwar stillschweigend einstellen, 
wenn bestimmte Gepflogenheiten von den Beteiligten als vorteilhaft er­
kannt und entsprechend geübt werden (2), aber sie wird in weiten Berei­
chen durch ausdrückliche kollektive Entscheidungen herbeigeführt. 
Folglich verbindet sich der Ansatz der ÖAR häufig mit jenem von "pu­
blic choice" ,  der nebenbei bemerkt ebenfalls ein Teilgebiet des Neo-In­
stitutionalismus ist, dient er doch der Ergründung der Regeln, nach de­
nen sich die kollektive Willensbildung vollzieht (3). 
1.3 Unterschiedliche Schulen 
Die eben umrissenen konstitutiven Elemente -methodologischer Indi­
vidualismus als Betrachtungsebene, Rationalverhalten, Disposition über 
Eigentumsrechte anstelle von Gütern, Transaktionskosten sowie das Er­
fordernis der kollektiven Willensbildung - sind allerdings entgegen einer 
in Europa noch weitverbreiteten Ansicht nicht in ein homogenes For­
schungsprogramm eingeflossen. Es haben sich vielmehr unterschiedli­
che "Schulen" herausgebildet. Grob gesprochen lassen sich vier solche 
Schulen unterscheiden: 
Zunächst jene, die mit Richard Posner und William Landes und der 
Universität von Chicago assoziiert wird, und sich durch eine besondere 
Effizienzorientiertheit der Betrachtung auszeichnet. Es gibt darüber 
hinaus eine "Ostküsten-Schule" mit den Zentren Yale und Harvard und 
Guido Calabresi als ihrem bekanntesten Vertreter, die den Anwendungs­
bereich der Analyse vom Recht auf Institutionen in Politik und Verwal­
tung erweitert und gelegentlich bereits Verteilungsprobleme einbezogen 
hat, die in der effizienzorientierten Sicht zwangsläufig zu kurz kommen 
(4). Die Los-Angeles-Schule schließlich, die von Armen Alchian und Ha­
rold Demsetz initiiert worden ist, war nicht nur bei der Entwicklung der 
Theorie der Eigentumsrechte federführend, sondern sie hat sich vor al­
lem um die Entwicklung der komparativen institutionellen Sicht ver­
dient gemacht, die durchaus als Kritik an den herkömmlichen Optimie­
rungsansätzen der Wohlfahrtsökonomik angesprochen werden kann. 
Diese zugegebenermaßen grobe Klassifizierung muß noch um wenig­
stens eine Variante ergänzt werden, nämlich jenen Ansatz, der sich zwar 
der angeführten Analyseinstrumente bedient, sich aber nichtsdestowe­
niger stärker an der traditionellen Sicht des Institutionalismus orien­
tiert und als "evolutorische" Denkrichtung bezeichnet werden könnte 
(5).  
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