Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 4 (4)

NICHT NUR LEHRBUCH, 
SONDERN AUCH KOMPENDIUM 
DER REGIONALÖKONOMIK 
Rezension von: Gunther Maier, 
Franz Tödtling, Regional- und Stadt­
ökonomik. Standorttheorie und 
Raumstruktur, Springer-Verlag, 
Wien und New York 1992,  199  Seiten, 
öS 490,-. 
Dieses Kurzlehrbuch stellt eine Ein­
führung in die Regional- und Stadt­
ökonomik dar. 
Nach einer Darlegung des Gegen­
standsbereichs der Regional- und 
Stadtökonomik behandeln die Verfas­
ser die Grundsätze der Standorttheo­
rie. 
Im ersten Teil stehen die räumlichen 
Strukturen im Vordergrund, wobei die 
Autoren eine statische Betrachtungs­
weise vorziehen. Die größte Aufmerk­
samkeit wird zwei Theoriekonzepten, 
nämlich dem neo-klassischen und dem 
behavioristischen Ansatz, gewidmet. 
Die erste Variante der Standorttheo­
rie macht die Transportkosten zu ihrer 
Grundlage. Die Determinanten bilden 
dabei Preise und Stückerlöse, die die 
Standortentscheidung von Produzen­
ten und den Einkaufsort von Konsu­
menten bestimmen. Durch die Trans­
portkasten wird es Unternehmen mög­
lich gemacht, räumliche Monopolposi­
tionen zu erlangen und bei der Preis­
festsetzung die Konsumenten abhän­
gig von ihrem Standort zu behandeln. 
Die neoklassische Standorttheorie ist 
ein mikroökonomisches Konstrukt, 
das vor allem von idealisierten Mo­
dellannahmen ausgeht. Dieser wieder­
gegebene reduktionistische Ansatz 
kann nur Elemente zu einer umfassen­
deren Theorie der stadt- und regional-
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wirtschaftlichen Entwicklung beitra­
gen. Die in der Wirklichkeit vorhande­
nen komplexen Beziehungsgeflechte 
wirtschaftlicher, technologischer, so­
zialer und politischer Art können mit 
Hilfe dieses Theorems nur zum kleine­
ren Teil abgebildet werden. 
Nach dem deduktiven Theorem set­
zen sich die Autoren mit den behavio­
ristischen Konzeptionen der Standort­
theorie auseinander, in deren Mittel­
punkt Zusammenhänge zwischen Be­
triebs- und Unternehmungsorganisa­
tion, Technologien und Standortwahl 
stehen. Im Rahmen dieses induktiv 
empirischen Paradigmas wird der Fra­
ge des Grades an externer Kontrolle 
von Betrieben und Arbeitsplätzen als 
Einflußfaktor der mittel- und länger­
fristigen betrieblichen Entwicklung in 
einer Region Augenmerk geschenkt. 
Dabei stützen sich die Autoren auf ei­
gene Analysen der Österreichischen 
Strukturen sowie auf internationale 
Arbeiten. Dieser Forschungsbereich 
hat sich in der Folge des verstärkten 
Internationalisierungsprozesses der 
Industrie in den siebziger Jahren her­
ausgebildet. Mit der beginnenden Kri­
se des "fordistischen Modells" ,  das in 
den westeuropäischen Industriestaa­
ten nach dem 2 .  Weltkrieg bestimmend 
geworden war, setzten Veränderungen 
in der bis dahin hierarchischen Ar­
beitsteilung von Großunternehmun­
gen ein. Unter Fordismus verstehen 
Maier und Tödtling den in einem Teil 
der internationalen ökonomischen 
Diskussion behandelten Zusammen­
hang zwischen Massenproduktion und 
Konsumption, unflexibler Arbeitstei­
lung, kapitalintensiven hierarchischen 
Betrieben, starken Gewerkschaften 
und kooperativen Arbeitsbeziehungen 
sowie einer Wirtschaftspolitik, die 
sich zum Ziel setzt, die Kaufkraft der 
Massen zu erhalten und zu steigern. 
Im Zusammenhang mit den Mehrbe­
triebsunternehmungen, ihrem Lokali­
sationsverhalten und den regional­
wirtschaftlichen Auswirkungen wird 
der Übergang von der fordistischen
        

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