Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 4 (4)

zur postfordistischen Phase bedeut­
sam. Die relativ hohen Kosten der Ko­
ordination und Kontrolle, die geringe 
Flexibilität und Motivation der Be­
schäftigten machen sich als Nachteile 
in hierarchisch organisierten Groß­
unternehmungen bemerkbar. Seit Mit­
te der siebziger Jahre werden wesent­
liche Veränderungen der hierarchi­
schen Arbeitsteilung wahrgenommen. 
Dabei kommt es zur Entstehung fle­
xiblerer Organisationsformen (divisio­
nale Strukturen, Matrixorganisatio­
nen, Holdingstrukturen) mit mehr Au­
tonomie für Tochterunternehmen und 
Zweigbetriebe und teilweise Rückver­
lagerungen dispositiver Funktionen 
(Management, Marketing und F & E) 
an die Standorte der Produktion, so 
auch im Zuge der Reorganisation der 
verstaatlichten Industrie in Öster­
reich. Durch diesen Prozeß wächst die 
Bedeutung des lokalen Managements, 
der Belegschaft und anderer Faktoren 
der Lokal- und Regionalentwicklung 
für die Performance von Zweig- und 
Tochterunternehmungen. 
Die Auswirkungen der Spezialisie­
rung der internen hierarchischen Or­
ganisation in Großunternehmungen 
sind in der räumlich-funktionalen Ar­
beitsteilung zu bemerken. Eine wirt­
schaftliche Aufwertung von interna­
tional und national hochrangigen Ag­
glomerationen erfolgt z. B. dadurch, 
daß "Headquarter"-Funktionen we­
gen ihrer besonderen Anforderungen 
verstärkt angezogen werden. Die viel­
fältigen Fühlungsvorteile dieser hoch­
rangigen Ballungszentren und Metro­
polen werden so genutzt und noch ver­
stärkt. Für die Analyse der internatio­
nalen und der nationalen Arbeitstei­
lung liefert die behavioristische Kon­
zeption die Voraussetzungen. Inwie­
weit bloß Produktion und Vermark­
tung oder auch entwickelte F & E-Ak­
tivitäten und ein autonomes Manage­
ment an Standorten vorhanden sind, 
bestimmt das Maß an Unabhängigkeit 
von Regionen und Ländern, und damit 
auch deren wirtschaftspolitischen 
Spielraum. Andererseits bieten 
schwache "eigene" multinationale 
Konzerne möglicherweise einen größe­
ren Optionsspielraum zwischen ver­
schiedenen multinationalen Konzer­
nen. 
Durch den tendenziellen Übergang 
von der "fordistischen" zur "postfor­
distischen" Phase mit bewirkt, wächst 
der Bereich der Kleinunternehmen 
nach einer längeren Periode der 
Schrumpfung. Beschäftigungslose Ar­
beitskräfte versuchen mangels sonsti­
ger Alternativen Unternehmungen zu 
gründen, und es entstehen durch Ra­
tionalisierung und die Aufgabe wenig 
profitabler Produktionssparten von 
seiten der Großunternehmen Markt­
lücken für Kleinunternehmen. Das In­
teresse der Großunternehmen an Er­
höhung der Flexibilität, eine schritt­
weise Änderung der Nachfragestruk­
tur zu weniger standardisierten Pro­
dukten und der technologische Wan­
del - Mikroprozessoren, flexible Tech­
nologien - haben sich ebenfalls gün­
stig für Kleinunternehmen ausge­
wirkt. Die Autoren heben außerdem 
hervor, daß die Beziehung zwischen 
Großunternehmen und Standort sich 
deutlich von der der Kleinunterneh­
men unterscheidet. Empirische Analy­
sen in verschiedenen Ländern belegen, 
daß die Bedingungen des regionalen 
Umfeldes für die Entstehung und die 
Dynamik von Kleinunternehmen be­
sonders wichtig sind. Für die Qualität 
eines derartigen Milieus spielt die öf­
fentliche Politik durch gezielte Pro­
gramme und Maßnahmen (Förderung 
von Risikokapital, Qualifikationsmaß­
nahmen, technische Infrastrukturen in 
konzentrierter Form wie Gründer­
und Technologietransferzentren und 
Verkehrsverbindungen) eine besonde­
re Rolle. Obwohl das Phänomen der 
örtlichen Netzwerke zwischen Unter­
nehmungen bereits 1 920 von A. Mar­
shall und 1948 von E. M. Hoover un­
tersucht wurde, haben diese erst mit 
den Krisenerscheinungen des Fordis­
mus deutlich an Relevanz gewonnen. 
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