Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 
Während der Hochblüte dieses Pro­
duktionsmodus waren fast alle Unter­
nehmensfunktionell in den Konzernen 
und Betrieben eingegliedert. In jünge­
rer Zeit findet ein breiter Prozeß der 
Auslagerung statt. Maier und Tödtling 
verweisen auch auf das Problem allzu 
großer Abhängigkeit der Kleinunter­
nehmen innerhalb von Netzwerken ge­
genüber Großunternehmungen, da in 
diesen Fällen die Tendenz zur Erstar­
rung in alten Industrieregionen Euro­
pas und der USA zu beobachten ist. 
Erfolgreiche Beispiele sind kleinbe­
triebliche Netzwerke im "Dritten Ita­
lien" , Baden-Württemberg und der 
Schweizer Jura-Region. Als neueste 
Entwicklung in diesem Bereich wird 
die Verbindung zu Unternehmungen, 
die Produzentendienste anbieten, er­
wähnt. Storger und Walker folgend, 
stellen Mayer und Tödtling fest, daß 
diese Unternehmungsverflechtungen 
das Ziel haben, Restriktionen des 
Raumes zu relativieren. 
Der letzte Schwerpunkt dieses Teils 
ist dem Zusammenhang zwischen 
Technologieentwicklung und Stan­
dortverhalten gewidmet, indem auf 
die Produktzyklustheorie und den Mi­
lieuansatz eingegangen wird. Nach ei­
ner Warnung vor einer Absolutsetzung 
der Produktzyklustheorie finden sich 
Hinweise auf wichtige Beispiele von 
High-Tech-Regionen in den USA, 
Westeuropa und Japan, aus denen die 
Bedeutung innovativer Universitäten 
und öffentlich geförderter Technolo­
gieparks hervorgeht. 
In Zeiten einer noch recht allgemei­
nen - aber abklingenden - Markteu­
phorie, die konträr zu den vergleichs­
weise sehr guten Wirtschaftsdaten in 
Österreich auf Basis eines gemischt­
wirtschaftlichen Systems auch hier 
noch immer vertreten wird, weisen die 
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1 8. Jahrgang (1 992), Heft 4 
Verfasser auf die negativen Konse­
quenzen des häufig auftretenden 
Marktversagens, insbesondere im Be­
reich der regionalen Wirtschaftsent­
wicklung hin, ohne die Probleme, die 
sich aus öffentlichen Interventionen 
ergeben können, zu verschweigen. 
Durch den Charakter dieses Lehr­
buchs, das gleichzeitig auch ein gelun­
genes Kompendium regional- und 
stadtökonomischer Theorie darstellt, 
kommt fast unvermeidlich die Dar­
stellung der Krise vieler Städte und 
Regionen in den USA und Großbritan­
nien, die wesentlich durch das Fehlen 
einer ausgleichenden und regulieren­
den öffentlichen Industrie-,  Infra­
struktur- und Sozialpolitik zu er­
klären ist, zu kurz. Diese Zusammen­
hänge finden in der wirtschaftspoliti­
schen Diskussion der USA in jüngster 
Zeit stärkere Beachtung. Die neuesten 
politischen Entwicklungen in den 
USA sind Ausdruck dieser sozialöko­
nomischen Krise. Trotz dieser Kritik 
soll der große Wert dieser Überblicks­
arbeit keineswegs geschmälert wer­
den. 
Ausgehend von der klassischen 
Theorie der Bodennutzung (Thünen) 
bieten Maier/Tödtling ferner einen 
Überblick zur Theorie und zu Model­
len der Siedlungsstrukturen und der 
Stadtsysteme (Lösch, Christaller). 
Die Phasenmodelle der Stadtent­
wicklung bilden den Abschluß ihrer 
gut lesbaren, sehr informativen Ar­
beit. 
Zu kurz in dieser Publikation 
kommt leider die Österreichische For­
schung zur Regional- und Stadtökono­
mie, was vermutlich mit der Kleinheit 
des Österreichischen Büchermarkts zu 
tun hat und den Umfang eines Kurz­
lehrbuches auch sprengen würde. 
Peter Kreisky
        

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