Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1993 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 
INDUSTRIE WOHIN? 
Rezension von: G. van Liemt (Hrsg.), 
Industry on the move: 
Causes and consequences of 
international relocation in the 
manufacturing industry, 
ILO, Genf 1992. 
"Industry on the move" - der Titel 
ist so eindeutig und doch schlecht 
übersetzbar ("Industrie in Bewe­
gung"?), ich bleibe also beim engli­
schen Titel. Diese Studie, die aus meh­
reren Branchen- und Länderstudien 
besteht, beschäftigt sich hauptsäch­
lich mit zwei dynamischen Fragen: er­
stens mit den globalen Mustern der 
Verlagerung der Industrieproduktion 
bzw. des Kapitals und zweitens mit 
dem daraus folgenden Restrukturie­
rungsprozeß. Da es sich um eine Stu­
die der ILO handelt, stehen natur­
gemäß die Auswirkungen der Verlage­
rungen auf den Faktor Arbeit (Be­
schäftigung, Qualifikation, Arbeits­
zeit, Löhne etc.) sowie dessen strategi­
sche Position im Restrukturierungs­
prozeß (Organisationsgrad, Rolle der 
Gewerkschaften, Mobilität etc.) im 
Zentrum des Interesses. 
Der im Kern doch empirischen Stu­
die ist ein theoretischer Abschnitt 
über "neuere Entwicklungen der 
Außenhandelstheorie" vorangestellt 
(Kapitel 2) .  Obwohl inhaltlich ohne 
Zweifel korrekt und klar, scheint die 
Einschränkung auf den Handel (selbst 
unter Berücksichtigung multinationa­
ler Unternehmen) doch etwas zu kurz 
gegriffen: Ein Überblick über die 
"Theorien der internationalen Pro­
duktion" (z. B. Cantwell 1 991) bzw. 
neue Wachstumstheorie) hätte zusätz­
lichen Einblick in das Verhalten der 
Akteure (multinationale Unterneh­
men) und die Determinanten des 
594 
1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 
Strukturwandels bringen können. Ge­
rade standorttheoretische Ansätze 
( "location factors" )  diskutieren we­
sentliche Elemente der internationa­
len bzw. globalen Produktion. 
Den Hauptteil der Studie bilden vier 
Branchenstudien und vier länder­
spezifische Fallstudien. Diese wurden 
überwiegend von Experten verfaßt, 
die zum Teil aus anderen Publikatio­
nen zu diesen Themenbereich "alte 
Bekannte" sind. 
Die Branchenstudien beschreiben 
die internationalen Verlagerungen der 
Produktion und die technologische 
Entwicklung in der Autoindustrie 
(O'Brien), der Textilindustrie (Spinan­
ger), der Flugzeugindustrie (Todd) und 
der Stahlindustrie (Keeling). Hervor­
zuheben ist die wirklich globale Be­
trachtungsweise der Autoren, die 
neue, oft nicht bedachte, Ergebnisse 
der Analysen bringt. Die Branchen ha­
ben mehrere Charakteristika gemein­
sam: Sie sind u. a. durch oligopolisti­
sehe Marktstrukturen, durch lange 
Tradition, durch ihre große Bedeutung 
für die Beschäftigung und die Wert­
schöpfung vieler Länder und die star­
ke Konkurrenz durch die NICs ge­
kennzeichnet. Sie unterscheiden sich 
vor allem in bezug auf die Art der glo­
balen Produktionsorganisation, dem 
Stand der technologischen Entwick­
lung und dem Ausmaß und der Wir­
kung industriepolitischer Interventio­
nen. Dementsprechend branchenspe­
zifisch sind die Verlagerungsstrate­
gien der multinationalen Unterneh­
men. 
Die Fallstudien schließlich analysie­
ren den nationalen Restrukturierungs­
prozeß in der Stahlindustrie der USA 
(Jones), in der italienischen Beklei­
dungsindustrie (Pent), in der Flug­
zeugindustrie Singapurs und Indone­
siens (Fong und Hill) und der mexika­
nischen Autoindustrie (Brid). Die He­
terogenität dieser Branchen in bezug 
auf ihr Alter, regionale Konzentration, 
U nternehmensgröße, Beschäftigung, 
Kapitalintensität etc. macht deutlich,
        

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