Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

KOMMENTAR 
Eine abschließende 
Antwort an Bernhard 
Schwarz 
EMMERICH TALOS, 
GERDA FALKNER 
1 .  Es erstaunt, daß Schwarz in seiner 
zweiten Replik vordergründig bedau­
ert, daß unser Artikel ("Sozialpolitik 
auf dem Rückzug? Tendenzen in 
westeuropäischen W ohlfahrtsstaa­
ten" ,  Wirtschaft und Gesellschaft 20/2 
[1994] 247-279) "nunmehr schon zum 
drittenmal ,nachbehandelt"' werde. 
Denn seine Ausführungen in der letz­
ten Antwort - zu der ihn wohl ebenso­
wenig wie zur ersten jemand gezwun­
gen haben dürfte - belegen doch sehr 
eindrücklich, daß er einen beträchtli­
chen Erklärungsbedarf für die in sei­
ner ersten Replik formulierten Be­
hauptungen und Polemiken hat. 
2 .  Schwarz nimmt für sich in An­
spruch, daß es ihm "um die Schärfe 
der Argumente und Analysen" gehe. 
Allerdings können wir der Umsetzung 
dieser Selbstzuschreibung auch noch 
in der zweiten Replik wenig abgewin­
nen: Daß jemand beispielsweise vor 
15  Jahren etwas festgestellt hat, halten 
wir für kein scharfes Argument zur 
Rechtfertigung von Verkürzungen in 
aktuellen Wortmeldungen. 
Zu den von Schwarz vorgebrachten 
Argumenten einige Anmerkungen: 
Ganz abgesehen davon, daß der von 
ihm angeprangerte "Äpfel-Birnen­
Vergleich " (zwischen "neu zugegange­
nen Direktpensionen" und dem 
"Durchschnittseinkommen")  in unse­
rer Replik nicht enthalten ist, stimmen 
wir zu, daß aus dem Zusammenhang 
gerissene Detailzahlen für kurze 
Zeiträume wenig Aussagekraft haben. 
Versteht Schwarz dies als Selbstkritik 
an den von ihm gebrachten wenigen 
Detailzahlen? Seine Anmerkungen zur 
Pensionsreform stehen überdies in 
keinerlei Widerspruch zu unseren 
Aussagen. Hinsichtlich der Erwerbs­
zentriertheit des sozialen Sicherungs­
system haben wir den Ausführungen 
in unserer ersten Replik nichts hinzu­
zufügen. Daß die Gruppe der gering­
fügig Beschäftigten heterogen ist, ist 
bekannt. In unserer Sicht reicht es 
wohl nicht aus, mögliche negative Ef­
fekte einer Sozialversicherungspflicht 
als Rechtfertigung für Non-Decision 
anzugeben. In der Frage der Mindest­
sicherung gibt es inhaltlich offenkun­
dig differente Positionen, die für eine 
breitere Diskussion von Interesse 
wären. 
3. Wenn es Schwarz wirklich um ei­
ne fruchtbare Diskussion ging, so hat 
er unseres Erachtens mit seiner pole­
mischen und unterstellenden Vor­
gangsweise keine passende Strategie 
eingeschlagen. So haben wir, wie 
jede/r leicht überprüfen kann, niemals 
die dumme Behauptung aufgestellt, 
daß sich bisher niemand mit dem Pro­
blem der Mindeststandards beschäf­
tigt habe. Ebensowenig findet sich in 
unserem Beitrag eine "Abqualifizie­
rung von Leuten, die nicht in einem 
bedarfsunabhängigen Basiseinkom­
men die geeignete Mindestsicherung 
sehen" .  Wenngleich am krassesten in 
der ersten Replik, so schlägt Schwarz 
doch auch noch in seiner zweiten bei 
175
        

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