Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 
TERRA INCOGNITA. 
EINE BESTANDS- UND 
PERSPEKTIVENANALYSE 
SCHWEIZER REGIONALPOLITIK 
UND SCHLUSSFOLGERUNGEN 
FÜR ÖSTERREICH 
Rezension von: Alain Thierstein, Urs 
Karl Egger, Integrale Regionalpolitik 
Ein prozeßorientiertes Konzept für 
die Schweiz. Schriftenreihe des 
Schweizerischen Institutes für Außen­
wirtschafts-, Struktur- und Regional­
forschung an der Hochschule St. Gal-
len, Verlag Rüegger, Chur/Zürich 
1994, 190 Seiten, öS 382,-. 
In den vergangenen Jahren haben 
sich die Rahmenbedingungen für die 
Schweiz und ihre Regionalpolitik 
grundlegend verändert, insbesondere 
seit dem negativen Ausgang der 
Schweizer Volksabstimmung zum 
EWR scheint der Internationalisie­
rungs- und Wettbewerbsdruck größer 
zu werden. Auch in diesem relativ ab­
geschotteten Land werden nunmehr 
weitreichende Wirtschafts- und gesell­
schaftspolitische Konsequenzen er­
zwungen. Die Autoren dieser Studie 
sehen - auch ohne Beitritt zur EU -
eine Vielzahl von Anforderungen an 
die Schweizer Politik, die struktur-, 
wettbewerbs- und regionalpolitischen 
Reformen der Europäischen Union 
durchaus ähneln. 
In diesem Buch wird nicht nur die 
Schweizer Regionalpolitik überblicks­
weise dargestellt, es vermittelt darüber 
hinaus auch eine interessante Zusam­
menfassung und Weiterentwicklung re­
gionalpolitischer Theorien im gesamt­
gesellschaftlichen Zusammenhang. 
Zuerst skizzieren die Autoren För­
derinstrumente und Phasen der 
Schweizer Regionalpolitik sowie Re­
gionalwirtschaft. Im zweiten Ab­
schnitt werden dann aktuelle Ent-
198 
21 .  Jahrgang (1 995), Heft 1 
wicklungen, wie Internationalisie­
rung, Regionalisierung, Europäische 
Integration, ökologische Krisen und 
sozia-politische Prozesse, mit konkre­
tem Bezug zur Schweiz erörtert. In je­
nem Abschnitt, der ökologische Kri­
sensymptome thematisiert, wird eine 
komprimierte Bestandsaufnahme der 
Umweltsituation im Bereich der 
OECD, der EU, aber auch der Schweiz 
vorgenommen. Zudem werden wirt­
schaftspolitische Strategien im Sinne 
steuerlicher und regulierender Maß­
nahmen zur Verbesserung der Verhält­
nisse dargestellt. 
Im dritten Teil der Arbeit wird aus 
der vorangegangenen Darstellung ein 
Konzept integraler Regionalpolitik ge­
folgert, dessen Angelpunkt ein radika­
ler Perspektivenwechsel ist: Weg vom 
produktorientierten und hin zu einem 
prozeßorientierten Politikverständnis. 
Hauptelemente dieses neuen Ansatzes 
sind die Nutzung von Handlungsspiel­
räumen, eine konsequente Europa­
und Umweltverträglichkeit sowie ko­
operativ-föderalistische Gestaltungs­
prinzipien. Raumplanung und raum­
relevante Sektoralpolitik sind nach 
Auffassung der Autoren tragende Mo­
mente einer solchen Politik. 
In Grundzügen wird auch die regio­
nale Strukturpolitik der EU vermit­
telt, die gerade in jüngster Zeit we­
sentlich an Bedeutung gewonnen hat. 
Die Paradigmen der Schweizer Re­
gionalpolitik gleichen in ihrer Phasen­
abfolge weitgehend den Österreichi­
schen Entwicklungsschritten. In An­
lehnung an das nationale Forschungs­
programm "Regio" (vgl. Brugger/Frey 
1985)  werden von den Autoren vier Pe­
rioden der Schweizer Regionalpolitik 
nachgezeichnet: 
1 .  Bis 1973 wurde eine durch Sektoral­
politiken des Bundes bestimmte mo­
bilitätsorientierte Regionalpolitik 
praktiziert, die vorwiegend implizit 
wirkte, da sie "ohne spezifische Zie­
le, ohne spezifische Instrumente und 
ohne speziell definierte Regionen 
betrieben wurde" .  Abwanderung
        

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