Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

21 .  Jahrgang (1 995), Heft 1 
eine Region langfristig als kontrapro­
duktiv herausstellen kann. 
Die durch den "Bonny-Beschluß" 
eingeführte kantonale Wirtschaftsför­
derung war für die Entfaltung regiona­
ler Entwicklungspotentiale nur be­
dingt geeignet. In bezug auf kleinere 
und mittlere Unternehmungen, die mit 
einer Hemmschwelle belastet sind, 
spielen persönliche Fähigkeiten der 
Wirtschaftsförderer eine besondere 
Rolle. In dieser Hinsicht kann ein kon­
tinuierlich aufgebautes Vertrauensver­
hältnis zwischen kleinen und mittleren 
Unternehmungen und den Wirt­
schaftsförderern äußerst hilfreich sein. 
In den achtziger Jahren zeigten Eva­
luationsstudien (vgl. NFP "Regio")  die 
größten Innovationsengpässe beim 
hochqualifizierten Personal und in der 
Informationsbeschaffung auf, geringere 
dagegen im Bereich des Risikokapitals. 
1992 wurden deutlich schwächere 
Mitnahmeeffekte (nur 15  Prozent der 
Unternehmungen) als Mitte der achtzi­
ger Jahre (mehr als der doppelte An­
teil) ermittelt. In 60 Prozent der geför­
derten Projekte kam es vor allem zur 
Ausweitung betrieblicher Aktivitäten. 
Umorientierung der Betriebe und Di­
versifikation von Technologien, Pro­
dukten oder Märkten fanden hingegen 
nur in 15  Prozent der Fälle statt. Die 
Qualifikationsstruktur der Arbeits­
kräfte zeichnete sich vor allem bei 
Neugründungen und Neuansiedelun­
gen Schweizer Unternehmen durch ei­
nen überdurchschnittlichen Anteil von 
Führungskräften, Ingenieuren sowie 
unqualifizierten Arbeitskräften aus. 
Diese Unternehmen befanden sich in 
einer aufsteigenden Innovations- und 
Technologiephase. Hingegen wiesen 
ausländische Betriebsansiedelungen 
und ansässige Schweizer Unternehmen 
eine ungünstigere Qualifikationsstruk­
tur aus, da sie sich in der Reifephase 
des Produkt-Lebenszyklus befanden. 
Innovationsorientierte Regionalpo­
litik ist auch in der Schweiz noch rela­
tiv jung, so daß bis jetzt nur sehr weni­
ge systematische Bewertungen erfolgt 
Wirtschaft und Gesellschaft 
sind. Außerdem erscheint das Förder­
instrumentarium auch noch nicht 
genügend entwickelt, um aussagekräf­
tige Untersuchungen abschließen zu 
können. Und letztlich ergeben sich er­
hebliche methodische Schwierigkei­
ten, Förderwirkungen auf regionaler 
Ebene zu isolieren. 
Der Entwurf zur Erneuerung des 
"Bonny-Beschlusses" verschiebt nun 
den Schwerpunkt von arbeitsplatz­
orientierter Zielsetzung zum Innova­
tionszieL Das bestehende Instrument 
landesweiter Informationsvermitt­
lungsstellen soll hierfür zu einem viele 
partikulare Einrichtungen integrie­
renden Netz regionaler Basisbera­
tungsstellen und überregionaler Spe­
zialberatungsstellen umgestellt wer­
den, um interessierten Betrieben aus 
der gesamten Schweiz den Zugriff auf 
Unterstützungsleistungen zu ermögli­
chen (vgl. Brunner u. a. 1 990). 
Auch für Österreich stellt sich ein 
ähnliches Erfordernis in bezug auf die 
Beratungsstellen der Handelskam­
mern sowie der Innovations-, Grün­
dungs- und Technologietransferzen­
tren unter gemischter Trägerschaft 
(Bund, Länder, Wirtschaftskammern, 
Gemeinden usw.). 
Die Verfasser der Schweizer Studie 
behandeln schließlich auch die neuen 
Anforderungen an die Regionalpolitik. 
Dazu erstellen sie eine Synopse lau­
fender Entwicklungen und Tendenzen: 
e So geht etwa fortschreitende Inter-
nationalisierung Hand in Hand mit 
einem Trend zu verstärkter Regio­
nalisierung der Wirtschaft. 
e Eine zusätzliche Herausforderung 
für die Schweizer Regionalpolitik 
bildet der Prozeß der Europäischen 
Integration. 
e Für eine genuine Querschnittsmate­
rie, was Regionalpolitik wesentlich 
ausmacht, ergeben sich noch dazu in 
einem Alpenland aus den ökologi­
schen Krisenerscheinungen beson­
dere Aufgabenstellungen. 
Essentielle, aber in der Diskussion 
gar nicht so neue Maßnahmen zur Mil-
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