Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 
baren Nachkriegszeit. Die Arbeit be­
ruht einerseits auf der Auswertung 
einschlägiger Literatur nach dem letz­
ten Stand, aber auch auf eigenen 
Beiträgen. So repräsentieren die Da­
ten über Volumen und Länderstruktur 
des Österreichischen Außenhandels 
1 9 19 eine wichtige, neue quantitative 
Information über die Phase. 
Nautz untersucht zunächst die wirt­
schaftliche Ausgangslage nach dem 
1. Weltkrieg. Welches ökonomische Ge­
wicht kam dem heutigen Bundesgebiet 
im Rahmen der österreichisch-ungari­
schen Monarchie zu? In welcher Weise 
wurde die Österreichische Republik 
von den Friedensverhandlungen in 
St. Germain betroffen? In der Folge 
beschäftigt sich der Autor mit den 
"Problemzonen der Österreichischen 
Nachkriegswirtschaft" ;  er analysiert 
die Ernährungslage, die Kohleversor­
gung, die Situation der Industrie, den 
Zusammenbruch des Verkehrswesens, 
die Inflation, vor allem aber die Politik 
der Banken, deren Aktivitäten ja die 
Entwicklung der Österreichischen 
Wirtschaft während der ganzen Zwi­
schenkriegszeit - in negativer Weise ­
nachhaltig beeinflussen sollte. 
Abgeschlossen wird dieser Abschnitt 
mit einer Untersuchung von Volumen 
und Struktur des Österreichischen Au­
ßenhandels in dieser Phase, und hier er­
weist sich folgendes: Trotz des Zerfalls 
der Monarchie und vielfältiger Han­
delshemmnisse bleibt der Außenhan­
delsanteil der Nachfolgestaaten domi­
nierend. Auf sie entfallen gut die Hälfte 
der Ausfuhren und fast ebensoviel der 
Einfuhren. Demgegenüber fällt der 
Außenhandel mit den anderen -wesent­
lich kaufkräftigeren - Nachbarn, wie 
Deutschland und der Schweiz, wesent­
lich ab. Daraus erhellt die Bedeutung 
der politisch-historischen Determinan­
ten gegenüber den ökonomischen. 
Bemerkenswert bleibt freilich die 
relativ höherer Bedeutung Deutsch-
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21.  Jahrgang (1 995), Heft 1 
lands in der unmittelbaren Nach­
kriegszeit, die in der Folgezeit wieder 
zurückging; ein Phänomen, das noch 
zu verfolgen wäre. Entscheidend für 
die Österreichische Wirtschaftsent­
wicklung wurde allerdings, daß das 
Außenhandelsvolumen dramatisch 
zurückging. Nautz weist darauf hin, 
daß dafür in den unmittelbaren Nach­
kriegsjahren Produktionsbeschrän­
kungen im Inland (mangelnde Roh­
stoffe und Energie) maßgebend gewe­
sen sein dürften - im Lichte der späte­
ren, gedämpften Entwicklung scheint 
das allerdings nur ein Faktor unter 
mehreren gewesen zu sein. 
Nach dieser ökonomischen Ein­
leitung entwickelt Nautz die Leit­
linien der damaligen Österreichischen 
Außenpolitik, in welcher sich der 
realitätsbezogene Renner gegenüber 
dem ideologieverhafteten Bauer 
durchsetzte. Verbalen Anschlußbe­
kundungen zum Trotz wurde sehr 
früh eine Politik der Annäherung an 
die Nachfolgestaaten betrieben. Na­
türlich diktierten in erster Linie die 
Notwendigkeiten des Außenhandels 
diese Politik. Letztlich führte dieser 
Kurs deshalb zum Erfolg, weil die 
Notwendigkeiten von allen Beteilig­
ten, einschließlich der Siegermächte, 
erkannt wurden. 
Dieser Prozeß wird vom Autor auf 
der Basis eigener Archivarbeit detail­
liert beschrieben, wobei er eine Fülle 
interessanter Einzelheiten zutage för­
dert. Insgesamt hat Nautz einen wich­
tigen Beitrag zu einer Periode der 
Österreichischen Wirtschaftsgeschich­
te geleistet, für welche wenige Publi­
kationen vorliegen. Dem Leser wird 
einmal ein umfassender Überblick 
über die ökonomischen Abläufe gebo­
ten, weiters aber eine intensive und 
kenntnisreiche Analyse des Außen­
handels wie der Außenhandelspolitik ­
ein wertvolles Buch. 
Felix Butschek
        

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