Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

21 .  Jahrgang (1995), Heft 1 
ÖKONOMISCHE UND RECHT­
LICHE GRUNDLAGEN DER 
GEMEINNÜTZIGEN WOHNUNGS­
WIRTSCHAFT 
Rezension von: Karl Korinek, Ewald 
Nowotny (Hrsg.), Handbuch der 
gemeinnützigen W ohnungswirtschaft, 
Orac Verlag, Wien 1993 ,  488 Seiten, 
öS 1 .500,-. 
Der 65 .  Geburtstag von Dr. Alfred 
Holoubek, einem langjährigen Funk­
tionär der gemeinnützigen Wohnungs­
wirtschaft, war Anlaß, verschiedene 
Ökonomen und Juristen einzuladen, in 
diesem Handbuch in insgesamt 20  
Fachkapiteln ihre Sicht der wirt­
schaftswissenschaftlichen und rechtli­
chen Grundlagen der gemeinnützigen 
Wohnungswirtschaft darzulegen. 
"Geschichte und Entwicklung der 
Gemeinnützigen Bauvereinigungen in 
Österreich" betitelt Klaus Lugger sei­
nen einführenden Beitrag über die hi­
storischen Grundlagen der gemeinnüt­
zigen Wohnungswirtschaft. 
Ausgehend von vereinzelten Ant­
worten auf die im 19 .  Jahrhundert ra­
pide zunehmende Wohnungsnot, die 
von Gemeinden, kirchlichen Einrich­
tungen sowie einigen Dienstgebern ge­
setzt wurden, entwickelte sich auf­
grund des Vereinspatentes von 1852 
und des 1873 ergangenen Gesetzes 
über die Erwerbs- und Wirtschaftsge­
nossenschaften erstmals eine organi­
sierte Form der Selbsthilfe im Rahmen 
von Baugenossenschaften. Die Genos­
senschafter mußten aber hohe Eigen­
mittel aufbringen. 
Erst 1907/1908 wurden Mittel des 
Staates gezielt für "Wohnbauförde­
rung" eingesetzt, die Höhe dieser Mit­
tel war aber unzureichend ("Kaiser 
Franz Josef I. Regierungs-Jubiläums­
fonds 1908") .  In diesem Regulativ 
wurde der eigentliche Beginn einer in 
Wirtschaft und Gesellschaft 
ihren Grundzügen noch heute vorlie­
genden Form der gemeinnützigen 
Wohnungswirtschaft gelegt, da darin 
bis heute gültige Prinzipien (Be­
schränkung der Gewinnausschüttung, 
kostendeckende Mieten, Pflicht der 
Revision etc.) festgelegt waren. 
Die Not nach dem Ersten Weltkrieg 
und der fehlende private Wohnungs­
bau brachten vor allem in Wien eine 
mächtige Siedlerbewegung hervor, die 
in Form von Selbst- und Nachbar­
schaftshilfe Reihenhäuser zu errichten 
begann. Aus dieser Zeit stammt auch 
die Parole "Gebt uns Land, Holz und 
Stein, und wir machen Brot daraus" .  
Die Siedlerbewegung machte Anfang 
der zwanziger Jahre ca. 55 Prozent des 
gesamten Wohnprogramms in Wien 
aus. Ab etwa 1924 drängte der enorme 
Gemeindewohnungsbau in Wien die 
Bedeutung der gemeinnützigen Wohn­
bautätigkeit weiter zurück. 
Mit der Machtübernahme der Natio­
nalsozialisten 1938 wurden die Genos­
senschaften als die Art der gemeinnüt­
zigen Bauträger, die vom Staat nicht 
so einfach zu kontrollieren waren, 
zurückgedrängt. 
Nach dem Krieg erlebte die ge­
meinnützige Wohnungswirtschaft eine 
gewaltige Entwicklung. Diese begrün­
det sich auf die umfangreiche staatli­
che Hilfe durch den enormen Ausbau 
der staatlichen Förderung und die 
Vergabe von Wohnbauförderungsmit­
teln an gemeinnützige Bauvereinigun­
gen. Der von der gemeinnützigen 
Wohnungswirtschaft verwaltete Woh­
nungsbestand stieg so von 45.000 im 
Jahre 1945 auf über 600.000 im Jahre 
1992 .  
Klaus Lugger schließt an diese hi­
storischen Betrachtungen Bemerkun­
gen über die Zukunftsperspektive des 
gemeinnützigen Wohnbaus an. Bezo­
gen auf die derzeit vermehrt geäußerte 
Kritik an der gemeinnützigen Woh­
nungswirtschaft meint er, daß sich die 
Tätigkeit der Genossenschaften und 
der Kapitalgesellschaften weiterhin 
dem Ziel unterzuordnen hat, sich um 
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