Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 4 (4)

2 1 .  Jahrgang (1 995), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
KOMMENTAR 
Energiesteuer -
eine neue Ebene der 
Diskussion 
ANGELA KÖPPL, KURT KRATENA, 
CLAUDIA PICHL, FRITZ SCHE­
BECK, STEFAN SCHLEICHER, 
MICHAEL WÜGER 
Replik auf den Kommentar von Tho­
mas Ritt, Das WIFO und die Energie­
steuer: Perpetuum mobile in Sicht? 
(Heft 3/95) 
In der letzten Nummer von "Wirt­
schaft und Gesellschaft" zweifelte 
Thomas Ritt (1) an den Ergebnissen 
der WIFO-Energiesteuerstudie, die er 
für "wirklich sensationell " hält. Wir 
wollen mit diesem Beitrag die von ihm 
initiierte Diskussion aufnehmen, auf 
seine zentralen Kritikpunkte eingehen 
und zeigen, daß an den WIFO-Ergeb­
nissen nichts besonders Sensationelles 
ist (ohne unser Licht unter den Schef­
fel stellen zu wollen! ) .  
Die modellgestützte Diskussion über 
Energiesteuern hat sich in den letzten 
Jahren ebenso verändert wie die um­
weltpolitische Praxis in diesem Be­
reich: Einerseits konnten in Ländern, 
die als Vorreiter bei der Einführung 
von Energiesteuern auftraten, mittler­
weile Erfahrungen mit den Wirkungen 
unterschiedlicher Gestaltungselemen­
te und mit Implementierungsproble­
men gesammelt werden (vgl. z. B .  die 
umfangreichen Diskussionen und Pu­
blikationen im Rahmen der OECD 
Joint Environment and Taxation 
Group). Neue Vorschläge können sich 
diese Erfahrungen zunutze machen 
und das "Design" ihrer Energiesteuer 
so planen, daß die Ergebnisse den er­
wünschten Effekten möglichst nahe 
kommen. Andererseits versuchen Mo­
delle die Wirkungsweisen solcher um­
weltpolitischer Eingriffe immer ge­
nauer zu simulieren. Eine wichtige 
Frage ist in diesem Zusammenhang 
immer wieder neben dem ökologischen 
auch der ökonomische Effekt: Hier 
kommt die neuere Diskussion zu dem 
Schluß, daß Energiesteuern weder auf 
mikroökonomischer noch auf makro­
ökonomischer Ebene negative volks­
wirtschaftliche Effekte haben müssen, 
daß sie - bei "intelligentem Design" -
sogar positive Auswirkungen haben: 
In diesem Sinne gilt weder mikro­
noch makroökonomisch, was Thomas 
Ritt vermutet, daß nämlich eine Um­
weltpolitik, die die Umweltqualität 
verbessern soll, immer zusätzliche Ko­
sten verursacht (2). 
Mittlerweile sind auf mikroökono­
mischer Ebene zahlreiche Beispiele 
bekannt, wo Umweltschutzinvestitio­
nen sich sehr schnell rentieren, weil 
die Input- und Entsorgungskosten 
durch die Investition verringert wer­
den konnten (vgl. die Erfahrungen mit 
Prepare). Insbesondere die sogenann­
ten sauberen Technologien sind auf­
grund des Ansatzpunktes bei der Ver­
meidung der Emissionen manchmal 
schon bei den derzeitigen Preisen ko­
steneffizient, insbesondere jedoch bei 
steigenden Ressourcenkosten. So im 
Falle einer Energiesteuer: Wir konnten 
aus modelltechnischen Gründen erst 
einen kleinen ersten Schritt in Rich­
tung der Modellierung solcher techno­
logischer Bottom-up-Ansätze gehen, 
indem wir zwei Technologien zumin-
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