l'tlirt!lcha.ft und GP.w?ll.?chaft 
KORPORATISMUS UND WIRT�
SCHAFTSWACHSTUM 
Rezension von: Andrew Henley, 
Euclid Tsakalotos, Corporatism and 
Economic Performance. 
A Comparative Analysis o! Market 
Economies, Edward Elgar, Aldershot 
1993, 218 Seiten, �S 869,85,-. 
Noch vor nicht allzu langer Zeit 
wurde in der �sterreichischen �ffent�
lichkeit das System der Sozialpartner�
schaft diskutiert und kritisiert. S�mtli�
che Parteien lehnten es ab, entweder 
explizit und aggressiv oder zumindest 
implizit. Die Gr�nde dc�� ft'n?iheitlichen 
liegen auf der Hand: bis vor kurzem 
hatten sie in diesem Bereich keinen 
Einflu�, und �berdies strebt ihr Vorsit�
zender eine "Dritte Republik" an-was 
immer das sei . l<'�r die Gr�nen sind die 
Sozialpartner "Betonierer" und f�r die 
Liberalen eine Nebcnregierung. Die 
Regierungsparteien hoben nicht nur 
eine grundlegende R??form der Kam�
mern verlangt - ohne 7.U erkl�ren, wel�
chen Inhaltes diese sein sollte -, son�
dern sowohl der fr�here Bundeskanz�
ler wie uuch der noch fr�here Vize�
kanzler hatten sich expressis verbis 
dieses AnliegPn zu eigen gemacht. 
Nach dem von den Sozialpartnern pr�
sentierten Sparpaket und der Demon�
stration der politischen Parteien, da� 
sie zur L�sung diesP.s Problems - zu�
mindest in der letzten gro�en Koalition 
- nichL in der Lage seien, ist diese Kri�
tik allerdings verebbt. 
Freilich erfolgte eine solche Ableh�
nung nicht zum ersten :\fal. Als dje Ju�
gend nach 1968 zu neuen Ufern auf�
brach, erkannte sie sehr rasch in der 
Soziulpartnerschaft eine S�ule des 
Kapitalismus. Und wenn diP.se auch 
nicht so leicht gest�rzt zu werden ver�
mochte, su erschienen auf dem alsbald 
623 
21. Jahrgang (1995), J1P.fl 4 
okkupierten Fdd der Wissenschaft 
eine F�lle von Studien, welche f�r die 
Zeit nach der "�lkrise" den Zusam�
menbruch der Sozialpartnerschaft in 
den nunmehr "wieder auflebenden 
Verteilungs?�mpfcn" prophezeiten. 
?at�rlieh trat das Gegenteil ein, ja die 
Sozialpartnerschaft stand im Zeichr.n 
des "Austro-Keynesianismus". 
Ganz anders wird die �sterreichi�
sche SozialpartnerschaLt im Ausland 
beurteilt. Die meisten dE?r einschl�gi�
gen Studien betonten immer wieder 
die Bedeutung dieser Institution f�r 
die au�erordentlichen wirtscnaftli�
chcn Erfolbre des Landes - siehe etwa 
Flanagan/SoskicejUlman (1983). Auch 
die dem j??weiligen Zeitgeist nicht ver�
pflichteten �stcrreichischcn Natio�
nnl�lwnomen unterstrichen stets die 
zentrale Bedeutung der Sozialpartner�
schaft f�r die �sterreichische Wirt�
schaftsentwicklung. 
Freilich begegneten auch diese For��
scher immer dem Problem, daB sich 
deren Bedeutung weder quantitativ 
noch theoretisch olme wcileres isolie�
ren l��t. ln ersterem I�'all kann man 
Schl�sse aus der Streikstatistik ziehen 
oder den Einflu� dieser Institution auf 
die I .ohnentwicklung �konometrisch 
untersuchen, in letzterem boten sich 
eigentlich nur Ans�tze aus der Spiel�
theorie (Gefangenendilemma) oder der 
gntscheidung unter Unsichfrrheit. 
Nunmehr haben Henley und Tsaka�
lotos eine Studie �ber die Wirtschalls�
entwicklung der korporatistischen 
Staaten im Vergleich .zu jenen, die eher 
e.inem liberalistischen Konzept ver�
pflichtet waren, verfa�t. Das Spezifi�
sche an der Arbeit liegt jedoch durin, 
da� die Autoren ve1-suchen, den Ein�
flu� des Korparatismus theorc1isr.h 
von der Neu(m Institutionen�konomie 
her zu ermitteln. 
Die Bedeutung von Institutionen 
"Institutions matter for cconomic 
perfonnancc". Mit diesem Satz leiten 
sie ihre Arbeit ein und versuchen,
        

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