Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

22. Jahrgang (1996), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
BÜCHER 
SOZIALPARTNERSCHAFT 
UND EU 
Rezension von: Ferdinand Karlhofer, 
Emmerich Talos, Sozialpartnerschaft 
und EU, Schriftenreihe des Zentrums 
für angewandte Politikforschung, 
Band 9, Signum Verlag, 
Wien 1996,  226 Seiten, öS 278 ,-. 
Vor drei Jahren erschien das Buch 
"Sozialpartnerschaft - Kontinuität 
und Wandel eines Modells" ,  herausge­
geben vom Politologen Emmerich 
Talos (Rezension in Wirtschaft und 
Gesellschaft 4/93). In diesem Band 
wurde ausführliehst auf historischen 
Hintergrund, geänderte Rahmenbe­
dingungen sowie aktuelle und zukünf­
tige Herausforderungen für das Sy­
stem der Österreichischen Sozialpart­
nerschaft eingegangen. Die seither 
gravierendste Änderung dieser Rah­
menbedingungen war wohl der Bei­
tritt Österreichs zur Europäischen 
Union. Zu eben diesem Aspekt ist nun 
der vorliegende Band von Karlhofer 
und Talos erschienen, der quasi als 
Aktualisierung und Ergänzung be­
trachtet werden kann. 
Die Sozialpartnerschaft leidet tradi­
tionell nicht gerade an einem Mangel 
an Kritikern und Literatur (auch in 
der Sozial- und Politikwissenschaft -
nachzulesen u. a. in der oben ange­
führten Rezension), die diese Instituti­
on krankjammern oder gar totsagen. 
Nun kommt dazu mit dem EU-Beitritt 
noch der Übergang vieler rechtlicher, 
ökonomischer und politischer Gestal­
tungskompetenzen auf die supranatio­
nale Ebene, ohne daß sich auf dieser 
Ebene Strukturen abzeichnen, die eine 
annähernde Ähnlichkeit (und vor al­
lem Wirksamkeit) mit dem Österreichi­
schen System der Interessenkonzertie­
rung aufweisen ("der sogenannte ,so­
ziale Dialog' . . .  gilt vielen als kaum 
mehr als eine Arabeske der europäi­
schen Architektur" - S. 9} .  Karlhofer 
und Talos gehen somit den Fragen 
nach, ob die auf den ersten Blick nahe­
liegende Vermutung eines Bedeu­
tungsverlustes der Sozialpartner­
schaft zutrifft, was an nationaler Ge­
staltungsautonomie erhalten bleibt 
und wie die Sozialpartner in den 
neuartigen Entscheidungsstrukturen 
eingebunden sind. Abschließend ent­
wickeln (und bewerten) sie drei Zu­
kunftsszenarien für die Entwicklung 
der Österreichischen Sozialpartner­
schaft. 
In Teil I des Buches ("Verbände -
Sozialpartnerschaft in Österreich" )  ist 
im wesentlichen eine Zusammenfas­
sung des einleitend angeführten Talos­
Buches zu finden, also eine Darstel­
lung der Geschichte, der Institutionen, 
der Politikfelder und der Änderungen 
der Rahmenbedingungen der Sozial­
partnerschaft. Kleine technische Un­
genauigkeiten (z. B. :  Gründungsjahr 
des Lohnunterausschusses 1962 statt 
1957 in Schaubild auf S. 30 ;  geänderte 
Funktionsweise der Paritätischen 
Kommission seit neuem Sozialpartner­
abkommen von 1992: diese wurde 
von einer "Abstimmungsmaschinerie" 
zum Diskussionsforum, das die frühe­
re "Wirtschaftspolitische Aussprache" 
ersetzt) stören dabei nicht substan­
tiell. 
Die interessante Ergänzung stellt 
das dritte Kapitel dar, das detailliert 
den Prozeß der Meinungsbildung in 
den Sozialpartner-Institutionen zur 
Frage der EU-Mitgliedschaft nach­
vollzieht und die Rolle der Sozialpart­
ner als Katalysator in der Beitrittsfra-
441
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.