Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 
RENAISSANCE DER 
FONDSWIRTSCHAFT? 
Rezension von: Thomas Kostal, 
Öffentliche Fonds in Österreich. 
Bestandsaufnahme und finanz-
politische Beurteilung der Bundes­
und Landesfonds, MANZ Verlag, 
Wien 1995,  220 Seiten, öS 440 ,-. 
Wann immer in der politischen Dis­
kussion von öffentlichen Fonds die Re­
de ist, gewinnt man den Eindruck, es 
laste ein böser Fluch auf ihnen. Viele 
Beobachter verbinden damit die 
"Flucht aus dem Budget" und denken 
mit Entsetzen an das Mittelalter, in 
dem die Fondswirtschaft das zentrale 
Organisationsprinzip der Staatshaus­
halte war, andere wiederum halten öf­
fentliche Fonds für ineffizient und 
denken an Ausgabenverschwendung. 
Anlaßfälle dafür lassen sich finden. 
Das Paradebeispiel war vor wenigen 
Jahren der Umwelt- und Wasserwirt­
schaftsfonds. Allen Diskussionen aber 
ist gemeinsam, daß sie nicht auf der 
Grundlage von Forschungserkenntnis­
sen und ebensowenig auf einer gesi­
cherten Datengrundlage geführt wer­
den. Die vorliegende Arbeit, die die 
überarbeitete Fassung einer Disserta­
tion darstellt, setzt genau hier an und 
versucht, einen Beitrag zur Verringe­
rung dieses Forschungs- und Datende­
fizits - und damit zur Versachlichung 
der Diskussion - zu leisten. 
Nach einer Begriffsbestimmung öf­
fentlicher Fonds wird ein kurzer Abriß 
über die historische Entwicklung des 
Fondswesens vom Altertum und Mit­
telalter bis zur Gegenwart gegeben 
(Kapitel 2 und 3) .  
Daran anschließend (Kapitel 4) wird 
der theoretische Rahmen für den em­
pirischen Teil der Arbeit gelegt. In de­
ren Mittelpunkt steht die Einordnung 
öffentlicher Fonds in die ökonomische 
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22. Jahrgang (1996), Heft 3 
und finanzwissenschaftliche Theorie. 
Die öffentlichen Fonds werden hier 
unter dem Blickwinkel verschiedener 
Theorieansätze behandelt. Eine zen­
trale Rolle nehmen dabei die Theorie 
der Parafiskalität, die Neoklassik und 
die traditionellen Budgetgrundsätze 
der Finanzwissenschaft ein. Im Hin­
blick auf ihre Funktion im Rahmen 
staatlicher Aufgabenerfüllung und ih­
rer Finanzierungsstruktur wird unter­
sucht, ob öffentliche Fonds ein zweck­
mäßiges Instrument der Finanzpolitik 
darstellen können. 
Öffentliche Fonds zählen zwar aus 
der Sicht der Finanzwissenschaft zu 
den Parafisken im Sinne einer funktio­
nalen Dezentralisierung, bei den mei­
sten hier untersuchten Bundes- und 
Landesfonds handelt es sich aber um 
Hilfsfisken der staatlichen Verwaltung. 
Die Frage, ob Ausgliederungen von 
staatlichen Aufgaben in öffentliche 
Fonds ökonomisch zweckmäßig sind, 
kann aus theoretischer Sicht nicht ein­
deutig beantwortet werden. Idealtypi­
sche Fonds stärken tendenziell die 
funktionale Flexibilität und eine effi­
ziente Leistungserstellung. Demokra­
tiepolitisch positiv zu beurteilen ist 
die Einbindung von Partialinteressen 
in die Entscheidungsfindung des 
Fonds. Sie verbessern die staatlichen 
Finanzierungsmöglichkeiten und ent­
lasten nicht zuletzt auch die staatliche 
Verwaltung. Diese Vorteile sind aber 
an eine Reihe von Voraussetzungen ge­
knüpft: eine genau abgegrenzte Auf­
gabenstellung, ein möglichst abge­
schlossener Finanzierungskreislauf 
und vor allem die Etablierung wettbe­
werbswirtschaftlicher Anreizmecha­
nismen. Treffen diese Rahmenbedin­
gungen nicht zu, dann gibt es eine Rei­
he von Argumenten gegen die Einrich­
tungen von Fonds. Es lassen sich an­
führen: Begünstigung von (Kosten)­
Ineffizienzen, Durchbrechung der 
Budgetgrundsätze und durch die da­
mit verbundene "Flucht aus dem Bud­
get" eine Schwächung der parlamen­
tarischen Budgethoheit.
        

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