Wirtschaft und Gesellschaft 
RENAISSANCE DER 
FONDSWIRTSCHAFT? 
Rezension von: Thomas Kostal, 
�ffentliche Fonds in �sterreich. 
Bestandsaufnahme und finanz-
politische Beurteilung der Bundes�
und Landesfonds, MANZ Verlag, 
Wien 1995,  220 Seiten, �S 440 ,-. 
Wann immer in der politischen Dis�
kussion von �ffentlichen Fonds die Re�
de ist, gewinnt man den Eindruck, es 
laste ein b�ser Fluch auf ihnen. Viele 
Beobachter verbinden damit die 
"Flucht aus dem Budget" und denken 
mit Entsetzen an das Mittelalter, in 
dem die Fondswirtschaft das zentrale 
Organisationsprinzip der Staatshaus�
halte war, andere wiederum halten �f�
fentliche Fonds f�r ineffizient und 
denken an Ausgabenverschwendung. 
Anla�f�lle daf�r lassen sich finden. 
Das Paradebeispiel war vor wenigen 
Jahren der Umwelt- und Wasserwirt�
schaftsfonds. Allen Diskussionen aber 
ist gemeinsam, da� sie nicht auf der 
Grundlage von Forschungserkenntnis�
sen und ebensowenig auf einer gesi�
cherten Datengrundlage gef�hrt wer�
den. Die vorliegende Arbeit, die die 
�berarbeitete Fassung einer Disserta�
tion darstellt, setzt genau hier an und 
versucht, einen Beitrag zur Verringe�
rung dieses Forschungs- und Datende�
fizits - und damit zur Versachlichung 
der Diskussion - zu leisten. 
Nach einer Begriffsbestimmung �f�
fentlicher Fonds wird ein kurzer Abri� 
�ber die historische Entwicklung des 
Fondswesens vom Altertum und Mit�
telalter bis zur Gegenwart gegeben 
(Kapitel 2 und 3) .  
Daran anschlie�end (Kapitel 4) wird 
der theoretische Rahmen f�r den em�
pirischen Teil der Arbeit gelegt. In de�
ren Mittelpunkt steht die Einordnung 
�ffentlicher Fonds in die �konomische 
450 
22. Jahrgang (1996), Heft 3 
und finanzwissenschaftliche Theorie. 
Die �ffentlichen Fonds werden hier 
unter dem Blickwinkel verschiedener 
Theorieans�tze behandelt. Eine zen�
trale Rolle nehmen dabei die Theorie 
der Parafiskalit�t, die Neoklassik und 
die traditionellen Budgetgrunds�tze 
der Finanzwissenschaft ein. Im Hin�
blick auf ihre Funktion im Rahmen 
staatlicher Aufgabenerf�llung und ih�
rer Finanzierungsstruktur wird unter�
sucht, ob �ffentliche Fonds ein zweck�
m��iges Instrument der Finanzpolitik 
darstellen k�nnen. 
�ffentliche Fonds z�hlen zwar aus 
der Sicht der Finanzwissenschaft zu 
den Parafisken im Sinne einer funktio�
nalen Dezentralisierung, bei den mei�
sten hier untersuchten Bundes- und 
Landesfonds handelt es sich aber um 
Hilfsfisken der staatlichen Verwaltung. 
Die Frage, ob Ausgliederungen von 
staatlichen Aufgaben in �ffentliche 
Fonds �konomisch zweckm��ig sind, 
kann aus theoretischer Sicht nicht ein�
deutig beantwortet werden. Idealtypi�
sche Fonds st�rken tendenziell die 
funktionale Flexibilit�t und eine effi�
ziente Leistungserstellung. Demokra�
tiepolitisch positiv zu beurteilen ist 
die Einbindung von Partialinteressen 
in die Entscheidungsfindung des 
Fonds. Sie verbessern die staatlichen 
Finanzierungsm�glichkeiten und ent�
lasten nicht zuletzt auch die staatliche 
Verwaltung. Diese Vorteile sind aber 
an eine Reihe von Voraussetzungen ge�
kn�pft: eine genau abgegrenzte Auf�
gabenstellung, ein m�glichst abge�
schlossener Finanzierungskreislauf 
und vor allem die Etablierung wettbe�
werbswirtschaftlicher Anreizmecha�
nismen. Treffen diese Rahmenbedin�
gungen nicht zu, dann gibt es eine Rei�
he von Argumenten gegen die Einrich�
tungen von Fonds. Es lassen sich an�
f�hren: Beg�nstigung von (Kosten)�
Ineffizienzen, Durchbrechung der 
Budgetgrunds�tze und durch die da�
mit verbundene "Flucht aus dem Bud�
get" eine Schw�chung der parlamen�
tarischen Budgethoheit.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.