Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

22. Jahrgang (1996), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
figen Anteil des Außenhandels erklären. Ähnlich wäre der Fall im Hin­
blick auf die Unterschiede in den Faktorkosten, wenn es eine Konver­
genz in den Fra-Kopf-Einkommensniveaus gibt (23).  Jedenfalls wurden 
Sambarts Vorhersagen durch die tatsächliche Entwicklung nach 1950 
scharf widerlegt. Der zunehmende Anteil des Außenhandels an der Welt­
produktion ist vielleicht die bestgesicherte Tatsache unter den "stylized 
facts" der Wirtschaftsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Die neue 
Theorie des Außenhandels, die das Phänomen des zunehmenden intrain­
dustriellen Handels (24) erklärt, ist ziemlich neu und fehlt noch in vielen 
ökonomischen Lehrbüchern. 
Übrigens steht Sambart mit seiner Idee, die Exporte und Importe 
durch Abkommen im Rahmen eines nationalen Wirtschaftsplanes zu 
steuern, nicht alleine: Als Gunnar Myrdal einen "unwiderstehlichen 
Trend zur Planung" diagnostizierte, erwartete er, daß die Notwendigkeit 
einer Regulierung des Außenhandels eine der stärksten Kräfte hinter 
diesem Trend sein würde (25).  
4. Stagnation 
Sambarts Voraussage, das Wachstum der Arbeitsproduktivität würde 
im 20 .  Jahrhundert deutlich hinter jenem des 19 .  Jahrhunderts zurück­
bleiben, beruhte auf zwei Annahmen: erstens, daß eine zunehmende 
Knappheit an Gütern der Urproduktion zu einem Engpaß bei den Inputs 
für die Produktion von Finalgütern führt; dieser Aspekt wurde im vor­
angehenden Abschnitt schon behandelt. Zweitens, daß das Produkti­
vitätswachstum im Finalgüterbereich ebenfalls abnimmt als Folge einer 
Verlangsamung des technischen Fortschritts. 
Gerade diese letztere These wurde in der Diskussion von Sambarts Re­
ferat bei der Zürcher Tagung des Vereins für Sozialpolitik heftig kriti­
siert. So etwa wandte Christian Eckert gegen Sambart ein, daß im Hin­
blick auf die gewaltigen Erfindungen und Entdeckungen im ersten Vier­
tel des 20 .  Jahrhunderts, auf die gigantischen Fortschritte bei der Über­
windung von räumlichen Entfernungen, die Verbrennungsmotoren, die 
Radiowellen usw. , nicht eine Verlangsamung im Tempo der technischen 
Entwicklung, sondern im Gegenteil deren Beschleunigung plausibel wä­
re. Eckert stellte auch die Behauptung einer Erlahmung der psychologi­
schen Antriebskräfte des Wirtschaftslebens in Frage, indem er auf die 
Vereinigten Staaten von Amerika hinwies, wo er überall nur Anzeichen 
von "brüllendem Optimismus" gefunden habe (26). 
Es erübrigt sich hier, einen Nachweis zu führen, daß in diesen Fragen 
die Kritiker recht behalten haben, und daß Sambart durch die spätere 
Entwicklung widerlegt wurde. Die interessante Frage ist vielmehr, auf 
welche Elemente seines ökonomischen Denkens die ziemlich pessimisti­
sche Einschätzung der künftigen Entwicklung von Produktivität und 
Technologie zurückzuführen sind. Denn im Gegensatz zu vielen Kriti­
kern der Konzentration und Karteliierung betrachtete Sambart diese 
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