Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

23.  Jahrgang ( 1 997), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
(beispielsweise machen Ausbildungsprogramme nur in kleinen 
Gruppen Sinn), andererseits wird befürchtet, daß zu starke Ein­
griffe in  den Arbeitsmarkt Verzerrungen mit sich bringen können 
{hier kommt die neoliberale Grundhaltung der OE CD-Ökonomen 
zum Vorschein). 
Empfohlen werden daher vor allem individuelle Stellensuch­
programme Uob-search assistance), die verbunden sind mit ei­
nem genauen Monitoring, welche Gruppen besonders von Ar­
beitslosigkeit gefährdet sind . Die Kosten dieser Programme sind 
relativ gering und dürften leicht hereinzubringen sind, wenn man 
zusätzlich berücksichtigt, daß in den Evaluationen die Oppor­
tunitätskosten von Arbeitslosigkeit meist nicht enthalten sind (es 
gibt negative Spillover-Effekte von Langzeitarbeitslosigkeit auf 
Gesundheit und Kriminalisierung). 
Zur gezielteren Arbeitsmarktintervention setzen derzeit viele 
Länder sogenannte individuelle Aktionspläne ein, die noch nicht 
evaluiert werden können, aber durchaus erfolgsversprechend 
wirken. Diese Pläne entsprechen der in Europa verstärkt beton­
ten Aktivierungsfunktion der aktiven Arbeitsmarktpolitik. 
Um langfristige positive Effekte zu erzielen, müssen also bei­
de Funktionen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (Matching und 
Aktivierung) gemeinsam und koordiniert eingesetzt werden. 
Mängel aktiver Arbeitsmarktpolitik? 
Derartigen sehr nüchternen Evalu ierungen unterschiedlicher 
Arbeitsmarktprogramme stehen Kritiken an der derzeitigen Pra­
xis der aktiven Arbeitsmarktpolitik gegenüber: 
"Der Arbeitslose soll durch Ausbildung, Motivation und finan­
zielle "Beihi lfen" gegenüber den Mitbewerbern wettbewerbsfä­
higer gemacht werden. Für die einzelne Person ist das ziel­
führend und löst in vielen Fällen tatsächlich das individuelle Pro­
blem. Denn dadurch wird in der Regel eine andere Person ar­
beitslos oder es bleibt ein Arbeitsloser arbeitslos. Es ist d ies der 
bekannte Verdrängungswettbewerb, bei dem eine Person auf 
Kosten einer anderen erfolgreich wird . Dieser Kampf um die zu 
wenigen Arbeitsplätze wird immer härter. Die Arbeitslosen und 
die Beschäftigten werden dadurch zwar anders "sortiert" , aber 
zusätzliche Arbeitsplätze werden damit n icht geschaffen. Was 
für den einzelnen gut ist, muß nicht für alle von Nutzen sein ."  
(Rainer Klien in Kontraste 1 00 ,  1 997). 
Diese Kritik ist zwar berechtigt, geht aber am Kern der Sache 
vorbei .  Vorrangige Aufgabe der aktiven Arbeitsmarktpolitik ist 
es, wie oben ausgeführt, n icht, neue dauerhafte Arbeitsplätze 
zu schaffen, sondern zu verhindern ,  daß Arbeitslose aus dem 
Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden bzw. keine Rückkehr-
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