Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 
Kräfte vorhanden sei , daß es aber er­
heblicher Anstrengungen bedürfe, die­
ses Potential zu nützen. Dann könne 
das Bewährte der Vergangenheit auch 
weiterhin seinen positiven Beitrag zur 
Österreichischen Politik leisten .  Es 
müsse sich folglich " . . .  alles ändern, da­
mit es so bleibt". 
Das erste Kapitel (Die "Wirklichkeit" 
der Sozialpartnerschaft - Der Wandel 
korporatistischer Paradigmen) betrach­
tet weniger den Wandel der Sozialpart­
nerschaft als den Wandel der Perspek­
tiven,  in denen sie gesehen wurde. Her­
vorragend wird dabei herausgearbeitet, 
wie der Blickwinkel der Betrachtung 
durch Sozialwissenschaftler und Bür­
ger, wie die Interpretation des Gegen­
standes vom jeweiligen Zeitgeist, von 
der Aktualität bestimmter Themen bzw. 
theoretischer Modelle mitgeprägt wur­
de. 
Wie der Wechsel von Paradigmen, 
welche die sozialwissenschaftl iche Dis­
kussion prägten,  die Deutung des Öster­
reichischen Korparatismus im Zeitab­
lauf veränderte, wird an den Beispielen 
Konsens- (Klassenkampf am grünen 
Tisch als Säule des Wirtschaftswun­
ders in den fünfziger und sechziger 
Jahren) ,  Pluralismus- (flexibles Kräfte­
spiel vieler Gruppen führt zu harmoni­
schem Gemeinwohl) ,  Verschwörungs­
(Politikgestaltung vorbei am demokrati­
schen Verfassungssystem), Entla­
stungs- (Wahrung der Problemlösungs­
kapazität eines überlasteten Staates 
durch Auslagerung von unangenehmen 
Entscheidungen), Stabilisierungs- (er­
folgreicher makroökonomischer lnter­
ventionismus in Krisenzeiten), Skleroti­
sierungs- (Versteinerung behindert wirt­
schaftliche Dynamik) und Symbiosepa­
radigma ( Integration starker Verbände 
zur Stabilisierung der politisch-wirt­
schaftlichen Lage) gezeigt. Dieser Ab­
schnitt kann durchaus als ebenso ge­
rechtfertigte wie auch genüßlich vor­
getragene Schelte des Autors der mei­
sten Kollegen seiner Zunft verstanden 
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23 . Jahrgang ( 1 997),  Heft 3 
werden, die er deshalb auch folgerich­
tig zur Vorsicht in bezug auf hurtige 
Aussagen über den Aufstieg und Nie­
dergang korporatistischer Systeme 
mahnt. 
Das zweite Kapitel (Bestandsaufnah­
me - Von der Erfolgsgeschichte zum 
Krisenfa/1) befaßt sich vor allem mit der 
Auflösung jener Rahmenbedingungen, 
die traditionell als Bestands- und auch 
Erfolgsgarantie der Sozialpartnerschaft 
dienten .  Zuerst werden einige der 
Grundcharakteristika dieses eigentüm­
lichen Systems wie etwa die verdoppel­
te Verbändestruktur, lnformalität, Ge­
samtwohlorientierung und Politiknähe 
sowie deren Zusammenhang mit aktu­
ellen politischen Fragen beschrieben.  
Dann widmet sich der Autor einigen 
dieser Rahmenbedingungen ,  nämlich 
der Pluralisierung der Interessen ,  dem 
Verlust der großen Deutungen, den 
Prozessen der Veralltäglichung, der 
Komplizierung der Themen sowie der 
Krise der politischen Akteure. 
Dieses Kapitel bietet zwar nicht allzu­
viel wirklich Neues (über das Funktio­
nieren der Sozialpartnerschaft und die 
geänderten Rahmenbedingungen wur­
de schon ausführliehst publiziert), es ist 
aber dennoch aus zweierlei Gründen 
bemerkenswert. Während die meisten 
anderen sozialwissenschaftliehen Be­
schreibungsversuche der Sozialpart­
nerschaft zumeist hi lf- und verständnis­
los aus gesicherter Distanz am im Kern 
unverstandenen Untersuchungsobjekt 
herumzudeuteln versuchen , so finden 
sich bei Prisehing die meines Erach­
tens seit langem profundesten und ge­
lungensten Beschreibungen komplexer 
Phänomene wie etwa des internen und 
externen lnteressenausgleichs, der 
vieldimensionalen Verflechtung von 
Parteien , Regierung, Parlament und 
Verbänden oder der Veralltäglichung 
politischer Errungenschaften. 
Zweitens unterscheidet sich dieser 
Abschnitt wohltuend von anderen Pu­
blikationen zum Thema durch die Ab-
        

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