Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

23 .  Jahrgang ( 1 997) ,  Heft 3 
Die Grenzen des globalen 
Wettbewerbs 
Rezension von: Die Gruppe von 
Lissabon, Grenzen des Wettbewerbs. Die 
Globalisierung der Wirtschaft und die 
Zukunft der Menschheit, Luchterhand 
Literaturverlag, München 1997, 223 
Seiten, öS 263,-. 
ln Analogie zu der vor 25 Jahren her­
ausgegebenen und inzwischen be­
rühmt gewordenen Studie "Grenzen 
des Wachstums" des Club of Rome 
versucht die Gruppe von Lissabon in 
recht eindrucksvoller Weise die Gren­
zen der heutigen Wettbewerbsgesell­
schaft aufzuzeigen. 
Die Autorengruppe ist in ihrer Kon­
stellation bemerkenswert: Es handelt 
sich dabei näml ich nicht nur um eine 
Gruppe von renommierten Wissen­
schafterinnen verschiedenster Diszipli­
nen, sondern zum Großteil auch um 
Personen , welche über Jahre hinweg 
wichtige Funktionen im Rahmen von 
EU-Institutionen und/oder internationa­
len Wirtschaftsorganisationen wie der 
OECD ausgeübt haben . Darüber hin­
aus waren auch Industrielle sowie 
hochrangige ehemalige Politiker an der 
Erstellung dieses Buches beteiligt, wel­
che alle umfangreiche politische Erfah­
rungen mit sich bringen. 
Die Gruppe von Lissabon besteht ab­
sichtlich nur aus Autorinnen aus dem 
Bereich der Triade, "da sie auf die Ver­
antwortl ichkeit und die Fähigkeit der 
mächtigsten und einflußreichsten Län­
der der Welt für die Lösung gegenwär­
tiger und zukünftiger Probleme hinwei­
sen will" (S. 27). Wenngleich diese 
Feststellung der Sachlage nach sicher­
lich richtig ist, so wäre an der einen oder 
Wirtschaft und Gesellschaft 
anderen Stelle der Blick von Repräsen­
tanten aus Schwellen- und Entwick­
lungsländern sicherlich von Nutzen ge­
wesen.  So bringt die soziale Konstella­
tion der Autorengruppe einerseits be­
achtenswerte Einsicht und Kompetenz 
in den aktuellen Prozeß der Globalisie­
rung mit sich, läßt andererseits aller­
dings die notwendige 'Außensicht' d ie­
ser Entwicklung zu kurz kommen. 
Inhaltlich umspannt das Buch einen 
sehr breiten Bereich der wirtschaftli­
chen, sozialen, politischen und ökologi­
schen Folgen der Globalisierung sowie 
möglicher Gegenmaßnahmen. Die in 
al l  diesen Bereichen zentrale Kritik kon­
zentriert sich an der heute vorherr­
schenden Wettbewerbsideologie.  Da­
bei betonen die Autorinnen jedoch, daß 
der Wettbewerb in den vergangenen 
zweihundert Jahren sehr wohl zu posi­
tiven ökonomischen und politischen 
Entwicklungen beigetragen hat. Ökono­
mischer Wettbewerb wird als wichtige 
Triebkraft für technische Innovation 
und Produktivitätssteigerungen aner­
kannt, und politischer Wettbewerb stel­
le die Grundlage für die Entwicklung 
und Ausbreitung demokratischer Syste­
me dar (S. 1 28). Die positiven Aspekte 
des Wettbewerbs werden somit durch­
aus unterstützt. Wettbewerb könne je­
doch nicht ein Ziel an sich sein ,  sondern 
immer nur ein Mittel zum Zweck. Kriti­
siert wird dabei insbesondere die Über­
zeugung, daß unsere Gesellschaften 
vollständig in einen gnadenlosen Wirt­
schaftskrieg eingebunden sind, welche 
sich nach Ende des Kalten Krieges im­
mer mehr durchgesetzt habe (S. 1 33). 
Wettbewerb als Ersatzideologie - ein 
bemerkenswerter Gedanke! 
Ausführlich beschrieben werden so­
dann die heutigen Formen des 'exzes­
siven Wettbewerbs', welchem nicht nur 
die Ziele an sich verlorengegangen 
sind, sondern welcher selbst die Ursa­
che für gegenläufige Effekte ist. Kriti­
siert werden dabei vor allem drei Fol­
gen des ungelenkten Wettbewerbs: 
413
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.