Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 23 .  Jahrgang (1 997) ,  Heft 3 
Kommt es aufgrund der unterschiedl ichen Faktorausstattungen nicht 
zu einem Ausgleich der Faktorpreise sondern zu Spezialisierung auf ein­
zelne Produkte, so sind die Schlußfolgerungen aus dem zwei Länder/zwei 
Güter/zwei Faktoren HO-Modell jenen aus dem Ricardo-Modell sehr ähn­
lich . I nsbesondere ist in d iesem Fall auch eine Erweiterung auf mehrere 
Güter möglich . Im  Fall von zwei Ländern läßt sich eine Kette von relativen 
lntensitäten in einem beliebigen Bezugsfaktor bilden. ln d ieser Kette ergibt 
sich ein Marginalgut, welches mögl icherweise in beiden Ländern produ­
ziert wird . Alle Güter, welche den Bezugsfaktor intensiver nutzen als das 
Marginalgut, werden dann in einem Land produziert. Alle anderen Güter 
werden im anderen Land hergestellt. ln d iesem Fall folgt, daß jedes Land 
in seinem häufigeren Faktor eine relativ n iedrigere Entlohnung aufweist 
( 1  0) .  
Ein weiterer Punkt wäre die Frage der Dimensionalität, also die Anzahl 
der im Modell berücksichtigten Güter, Länder und Faktoren. Da diese, 
durchaus nicht unwesentliche Frage,  jedoch weder für die empirischen 
Arbeiten noch für die politischen Argumente Berücksichtigung findet, sei 
h ier nur auf Ethier( 1 984) verwiesen 
Es sei noch kurz der Frage nachgegangen , was unter den Faktoren zu 
verstehen ist. Ursprünglich ging das Modell von den übl ichen Produkti­
onsfaktoren Arbeit und Kapital aus. Gewisse Zweifel an der Zulässigkeit 
d ieser Modeliierung kamen auf, als Leontief 1 953 versuchte die 
Faktorintensitäten der amerikanischen Import- und Exportgüter empirisch 
zu überprüfen. Er stellte fest, daß die Kapitalintensität der Importe höher 
war als jene der Exporte. Da sich dieses "Leontief Paradoxon" ( 1 1 )  auch 
in späteren Untersuchungen für die USA bestätigt hat, kam es zu mehre­
ren Versuchen das HO-Modell neu zu formul ieren. Eine häufige Variante 
ist, qual ifizierte und unqualifizierte Arbeit als Produktionsfaktoren anzu­
nehmen (sog. Neo Faktorproportionentheorem), ansonsten jedoch das 
zwei Faktoren/zwei Güter Modell zu übernehmen (vergl .  Farmer-Wendner 
( 1 997),  S 1 97). Darüber hinaus kam es allerdings auch zu Weiterentwick­
lungen, welche weiter unten noch beschrieben werden ( 1 2). 
Abschließend sei auch im Heckscher-Ohlin-Modell die Frage gestellt, 
ob Freihandel eine Verbesserung gegenüber Autarkie darstellt. 
Daß Außenhandel per se nicht parsteverbessernd wirkt, ist im Fall des 
Faktorpreisausgleiches aufgrund der Verteilungswirkungen offensichtlich . 
Dennoch gilt auch hier wieder ein qualifiziertes Ja, ähnl ich jenem im spe­
zifischen FaktorenmodelL Sofern die Freihandelsöffnung mit einer ent­
sprechenden Umverteilungspolitik verbunden wird, ist es auch in d iesem 
Modell möglich eine Parsteverbesserung zu erzielen. 
Mit dem Heckscher-Ohlin-Modell schließen wir d ie Betrachtung der "äl­
teren" Außenhandelstheorie ab, um noch kurz auf neuere Ansätze und 
Modelle einzugehen. 
Die wesentl iche politische Schlußfolgerung aus den bisher betrachteten 
Modellen ist, daß offener Außenhandel gegenüber Autarkie einen 
Wohlstandsgewinn ermöglicht, d ieser jedoch nur dann eintritt, wenn eine 
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