Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 23.  Jahrgang (1997),  Heft 3 
Problemgruppen werden aber n icht über reine Eigeninitiative 
wieder in den Arbeitsmarkt zurückfinden, sondern sie müssen 
"aktiviert" werden. Diese "Aktivierung" beinhaltet per definitionem 
ein gewisses Maß an Bevormundung. 
Unterschiedliche Schwerpunkte aktiver Arbeitsmarktpolitik 
Welche Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik in den ein­
zelnen Ländern vorrangig eingesetzt werden , ist in den einzel­
nen OECD-Ländern sehr unterschiedlich. Auch die Höhe des 
Anteils der aktiven Arbeitsmarktpolitik am BIP (Ausgabenniveau) 
bzw. an der gesamten Arbeitsmarktpolitik (Aktivierungsgrad) ist 
sehr unterschiedlich und hat sich in den letzten Jahren unter­
schiedlich entwickelt. Dafür seien hier einige Beispiele gege­
ben: 
ln Dänemark hat d ie Bedeutung der aktiven Arbeitsmarktpolitik 
sowoh l  in bezug auf das Ausgabenn iveau a ls  auch den 
Aktivierungsgrad in den vergangenen Jahren stark zugenom­
men . Einerseits geht es dabei um Umverteilung der Arbeit über 
Beurlaubungsmaßnahmen , andererseits werden über ein Sy­
stem von Rechten und Pfl ichten Qualifizierung und Weiterbil­
dungsmaßnahmen stark gefördert. 
l n  Deutschland, das auch bezügl ich d ieser Frage aufgrund 
der neuen Bundesländer eine Sonderstellung einnimmt, ist das 
Ausgabenniveau gestiegen, während der Aktivitätsgrad etwa 
gleichgeblieben ist. Schwerpunkte der aktiven Arbeitsmarktpolitik 
liegen in beruflicher Bildung und in der subventionierten Beschäf­
tigung . 
Die N iederlande, die einen steigenden Aktivierungsgrad auf­
weisen, haben wichtige Programme im Bereich der Integration 
der Jugend in den Arbeitsmarkt sowie vor allem im Bereich der 
schwer Vermittelbaren . 
Schweden hat einen Aktivierungsgrad von mehr als 50 Pro­
zent. Dennoch gab es auch hier massive Umstrukturierungen 
der Arbeitsmarktpolitik. Gerade in den letzten Jahren wurde von 
Qualifizierungsprogrammen eher weg und wieder verstärkt i n  
Richtung subventionierter befristeter Beschäftigungen gegan­
gen. 
Großbritannien hat relativ n iedrige Ausgaben und einen ge­
ringen Aktivierungsgrad der Arbeitsmarktpolitik. Es läßt sich kein 
eindeutiger Schwerpunkt bei den Instrumenten feststellen. 
Österreich gehört eher zu den Schlußlichtern sowohl im Aus­
gabenniveau als auch im Aktivierungsgrad. Dies muß natürlich 
auch vor dem Hintergrund der nach wie vor recht niedrigen Ar­
beitslosigkeit gesehen werden. Schwerpunkte der aktiven Ar­
beitsmarktpol itik l iegen in Österreich auf Qualifizierungsmaß-
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