Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 1 (1)

24. Jahrgang ( 1 99 8 ) ,  Heft 1 
wieder durch Abwertungen anderer 
Währungen erschüttert wurde. - Weite­
re Beiträge beschäftigen sich mit der 
Geschichte der Famil ienbesteuerung 
(Christian Smekai/Rupert Sausgruber), 
mit den 1 966 beschlossenen Kapital­
markt- und Wachstumsgesetzen (Franz 
Helbich) und mit dem Katastrophen­
fonds (Dietmar Pi lz). 
Der abschl ießende Beitrag des Bu­
ches stammt von Wolfgang Schmitz 
selbst. Die Überwindung des von ihm in 
Anlehnung an Mi lton Friedman und Ar­
min Gutowski so bezeichneten "Tyran­
nei des Status Qua",  daß I nteressen der 
Wahrung partikulärer Besitzstände so 
oft als notwendig erkannte Veränderun­
gen verhindern , sei die eigentliche Auf­
gabe der wissenschaftl ichen Politikbe­
ratung. Von der Politikberatung müßten 
die sorgfältig durchdachten Konzepte 
kommen, welche "die Interessen mög­
lichst vieler an grundlegenden Reform­
anl iegen erkennen lassen." (S. 1 04) 
Hier sieht Schm itz auch die Bedeutung 
der Österreichischen Sozialpartner­
schaft und insbesondere des Beirates 
für Wirtschafts- und Sozialfragen. 
Mit Entwicklung und Zukunft der So­
zialpartnerschaft in Österreich beschäf­
tigt sich der erste Teil von Band 4 der 
von Günter Bischof und Anton Pelinka 
herausgegebenen Contemporary Au­
strian Studies. Andrei Markovits geht in 
seinem Beitrag der Frage nach, worin 
das starke Interesse im Bereich der Po­
litikwissenschaft für neokorporatisti­
sche Systeme wie Österreich und 
Schweden war. Es handelte sich dabei 
wesentlich um ein politisch motoviertes 
Interesse von Autoren,  die sich als l inke 
Politökonomen verstanden. Österreich 
und Schweden mit ihrer außenpoliti­
schen Neutralität und mit ihren lnstitu­
tionensystemen, welche den Arbeitneh­
mern verhältn ismäßig großen Einfluß 
auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik 
ermöglichten , wurden als Modelle an­
gesehen, welche für die von den Polit­
ökonomen befürworteten Systemrefor-
Wirtschaft und Gesellschaft 
men am ehesten Ansatzpunkte boten. 
Dieses Interesse war häufig auch mit 
fundamentaler Kritik gepaart: "Corpora­
tism ... was nothing less than a structu­
ral arrangement to stymie working­
class power on behalf of capitalist 
interests."(S. 1 8) Die große Verände­
rung in Richtung zum europäischen 
Durchschnitt, also das Ende des Son­
derweges sieht Markovits verursacht 
durch den Zusammenbruch des Kom­
munismus in Osteuropa, der das Ende 
der großen Polarisierung auch im We­
sten mit sich brachte. Die stärkere Dif­
ferenzierung der Österreichischen Par­
teienlandschaft konnte n icht ohne Fol­
gen für Funktion und Struktur der Sozi­
alpartnerschaft bleiben. 
Diese Entwicklung ist zwar n icht d ie 
einzige Ursache der Veränderung - die 
gestiegene Arbeitslosigkeit erscheint 
hier mindestens ebenso bedeutsam -, 
sie wird aber sicher langfristig ein we­
sentlicher Faktor bleiben. Wie Hans 
Seidel in seinem Beitrag über den Aus­
tro-Keynesianismus zeigt, begann die 
Reorientierung der makroökonomi­
schen Politik in Österreich und in  Euro­
pa schon zu Beginn der achtziger Jah­
re, also geraume Zeit vor dem Ende 
des Kommunismus. 
Zwei Österreichische Beiträge (Talos/ 
Kittel und Karlhofer) beschäftigen sich 
mit der Entwicklung der Sozialpartner­
schaft in Österreich nach 1 945 und mit 
den jüngsten Veränderungen. Der ame­
rikanische Politikwissenschaftler Rand­
all Kindley geht einer in der Literatur 
bisher vernachlässigten oder besten­
fal ls oberfächl ich gestreiften Frage 
nach : inwieweit es sich bei der Österrei­
chischen Sozialpartnerschaft um ein 
"bipartites" oder um ein "tripartites" (un­
ter Einschluß der Regierung) System 
handelt. Seine Schlußfolgerungen sind 
bemerkenswert: gescheiterte Versuche 
in  der Zwischenkriegszeit und vor 1 957, 
dem Gründungsjahr der Paritätischen 
Kommission, "were more tripartist, non­
autonomaus and more narrow in  scope, 
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