Wirtschaft und Gesellschaft 
Osteuropas Wirtschaft in der 
Nachkriegszeit 
Rezension von: Ivan T. Berend, Central 
and Eastern Europe 1 944 - 1993. Detour 
from the Periphery to the Periphery, 
Cambridge University Press, Cambridge 
1996, 414 Seiten, f 45,-. 
Kaum jemand d�rfte f�r die Abfas�
sung einer solchen Studie geeigneter 
sein als lvan Berend. Der ungarische 
Wirtschaftshistoriker setzt sich schon 
seit vielen Jahrzehnten mit d iesem 
Thema auseinander, also bereits zu 
Zeiten ,  als es die Forschungsgemein�
schaft nur am Rande behandelte. Seine 
zusammen mit G. Ranky verfa�te Ar�
beit "The European Periphery and lndu�strialization 1780 - 1914" (1982) wurde 
zu einem Standardwerk auch f�r den 
Westen. 
Berend nahm in der kommunisti�
schen Periode hohe Funktionen in der 
ungarischen Gesellschaft ein; so be�
kleidete er die Posten eines Universi�
t�tsrektors und eines Pr�sidenten der 
Akademie der Wissenschaften. Aller�
dings z�hlte er immer zum l iberalen , 
stets Reformen vorantreibenden Fl�gel 
der StaatsparteL Konsequenterweise 
wurde er auch zum Vorsitzenden der 
Kommission f�r die Reform der ungari�
schen Wirtschaft berufen. Heute lehrt 
er an der University of California, Los 
Angeles. Ber�cksichtigt man die Rolle, 
welche Ungarn f�r die Aufl�sung des 
kommunistischen Systems spielte, 
dann wird man wohl sagen k�nnen, da� 
Berend zu den Wegbereitern der geisti�
gen Wende im Osten z�hlte. 
Diese pers�nlichen Elemente pr�gen 
auch den Aufbau des Buches. ln einem 
kurzen Einleitungskapitel behandelt er 
die historische Entwicklung des ostmit�
teleurop�ischen Wirtschaftsraumes, wel-
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2 4 .  Jahrgang ( 1 998) ,  Heft 1 
eher durch �konomische und soziale 
R�ckst�ndigkeit gekennzeichnet war. 
Die politische Konstante dieser Region 
sieht er darin ,  da� deren L�nder, in 
Frontstellung gegen den Westen ,  des�
sen Niveau zu erreichen trachteten .  
Dieser Hypothese wird man nicht zur 
G�nze folgen k�nnen, weil eine solche 
Frontstellung nur gegen�ber den "Un�terdr�ckerstaaten", der Doppelmonar�
chie und Deutschland, bestand, in kei�
ner Weise jedoch gegen�ber den West�
m�chten, wie England und Frankreich, 
welche im Gegenteil w�hrend der Zwi�
schenkriegszeit sozusagen als Schutz�
m�chte betrachtet wurden. Dennoch 
findet sich dieser Gedanke des Autors 
sp�ter in der Beurteilung des kommuni�
stischen Systems wieder. 
Die Studie beginnt eigentlich mit der 
kommunistischen Machtergreifung in 
Osteuropa. Berend sieht darin eine 
Konsequenz des Kalten Krieges, in 
dem er das gro�e historische Drama 
des gegenseitigen Mi�trauens aus�
macht, wiewohl er als eine wesentliche 
Ursache daf�r den Verfolgungswahn 
Stalins diagnostiziert. Er stellt d ie rheto�
rische Frage, was geschehen w�re, h�t�
te sich die Kooperation aus der Zeit des 
Zweiten Weltkriegs fortgesetzt. 
Hier k�nnten abermals die Meinun�
gen auseinandergehen. Denn die So�
wjetunion wurde ja zun�chst tats�chlich 
in alle Nachkriegsinstitutionen , wie 
etwa die UNO, integriert. Auf der ande�
ren Seite bleibt offen ,  wie sich die Zu�
sammenarbeit des Krieges zwischen 
einer demokratischen Welt und einem 
System h�tte vollziehen k�nnen, das 
nicht nur totalit�r war, sondern auch 
eine - um es vorsichtig auszudr�cken -
missionarischen Charakter an den Tag 
legte. Eine Frage ,  zu welcher Berend 
im folgenden Kapitel �ber den kommu�
nistischen Terror selbst die Basis liefert. 
ln  dieser Phase erfolgte in allen ost�
mitteleurop�ischen Staaten die totale 
Umstellung aller Lebensbereiche auf 
das sowjetische Modell ,  auch auf die
        

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