Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 
die Herleitung der spekulativen Blasen 
oder des Chaosmodells und die detail�
reiche Schilderung der Regulierungs�
struktur der amerikanischen Finanz�
m�rkte). 
Weiters - aber das ist nicht eine 
Schw�che Aschingers, sondern eine 
der gesamten �konomik - fehlt die Be�
handlung eines Problems, auf das noch 
kein Modell eine befriedigende Antwort 
geben konnte: die zunehmende Asyn�
chronizit�t zwischen Finanz- und G��
term�rkten. 
Gewisserma�en als Ouverture f�r 
die Theorie spekulativer Blasen und der 
Chaosmodelle am Finanzmarkt bietet 
Asehinger eine gelungene Zusammen�
fassung der theoretischen Literatur zur 
Spekulation. Die Feststellung Fried�
mans, Spekulation sei stabilisierend, 
wenn sie Gewinn br�chte, ist dabei 
nicht nur problematisch, weil sie eine 
reine ex-post Bedingung darstellt. Auch 
ohne die Modelle spekulativer Blasen 
oder der Chaostheorie kann gezeigt 
werden ,  da� diese Bedingung weder 
notwendig noch hinreichend ist. 
Kaldor erkl�rt in seinem Modell der 
Spekulation vor allem �ber das Verh�lt�
nis von "Spekulanten" und "Nichtspeku�
lanten" am Markt, ob es sich um stabi�
lisierende oder destabilisierende Spe�
kulation handelt. Der wesentliche Un�
terschied zwischen beiden ist, da� die 
Spekulanten in ihrer Erwartungsbildung 
die Erwartungsbildung der anderen 
Marktteilnehmer einbeziehen. Andere 
Ans�tze gehen von Gruppen mit unter�
schiedlicher Risikoaversion (Keynes 
und Hicks) oder von einem unter�
schiedlichen Informationsstand der 
Markttei lnehmer aus. 
ln dynamischen Modellen und mit der 
Erweiterung um Derivative l��t sich 
durch unterschiedlichen Informations�
grad bzw. unterschiedliche Grade der Ri�
sikoaversion sowie deren Ver�nderung 
�ber die Zeit (Feldstein) destabilisierende 
Spekulation zeigen. Die M�glichkeit de�
stabilisierender Spekulation ist somit 
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24. Jahrgang ( 1 99 8 ) ,  Heft 1 
auch theoretisch besser erkl�rbar als de�
ren Ausschlu�. Da� die Spekulation im 
"Normalfall" wichtige (und stabilisieren�
de) Funktionen der Informationsverarbei�
tung sowie der Risiko- und Fristentrans�
formation erf�llt, bleibt dabei unbestritten.  
Die Bubbles und Crashs, die Aschin�
ger behandelt, lassen sich im wesentli�
chen in einem Phasenschema in Anleh�
nung an Kindleberger und Minsky be�
schreiben, wobei einige der Phasen na�
t�rlich auch parallel auftreten k�nnen: 
1 . ) Zu Beginn wirkt ein exogener 
Schock auf das System ein (techni�
sche Innovationen und der damit 
verbundene Produktivit�tsfortschritt 
oder �hnliches). 
2 . )  Dadurch kann eine Boomphase ent�
stehen, die zun�chst noch auf rea�
len Fundamenten beruht (profitable�
re lnvestitionsm�glichkeiten). 
3.) Die Kreditt�tigkeit wird angebots-wie 
nachfrageseitig ausgedehnt und 
m�glicherweise durch die Schaffung 
neuer Instrumente mit gro�er Hebel�
wirkung verst�rkt. Gerade im Crash 
von 1 987 l��t sich dieses Ph�nomen 
anhand der relativ neuen Instrumen�
te der verschiedenen Portfolio-lns�
urance-Techniken zeigen, welche die 
spekulative Blase zwar nicht ausge�
l�st, aber verst�rkt haben. 
4.) Die Spekulation tritt durch das ver�
mehrte Auftreten von Mitl�uferspe�
kulanten in die Phase der Euphorie. 
Ab diesem Zeitpunkt wird es bereits 
schwierig, diskretion�r einzugreifen , 
weil die Spekulation zinsunelastisch 
wird; viele sind sich der fundamen�
talen Ungleichgewichte bewu�t, 
glauben aber, noch rechtzeitig aus�
steigen zu k�nnen. 
5.) Im Laufe der Entwicklung einer spe�
kulativen Blase werden irrationale 
( massenpsychologische) Ph�nome�
ne immer bedeutsamer. ln Phase 4 
und 5 ist das erwartete Verhalten der 
Mitspekulanten wichtiger als die Re�
lation zwischen Fundamentalwert 
und Marktpreis.
        

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