Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

24. Jahrgang ( 1 998),  Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
ven Zusammenhangs zwischen Ungleichheit und Wachstum bestärkt ha­
ben. Im Abschnitt 3 schl ießlich werden die verschiedenen Ansätze vergli­
chen,  die zur Erklärung d ieses Phänomens entwickelt wurden. Da einige 
d ieser Ansätze al lerdings primär auf die Situation unterentwickelter Öko­
nomien bezogen sind, wird im Abschnitt 4 abschließend diskutiert, ob und 
inwieweit der negative Zusammenhang auch für entwickelte Staaten und 
auch in weiterer Zukunft relevant bleiben könnte. 
2. Empirische Regelmäßigkeiten 
l n  diesem Abschnitt soll die empirische Evidenz kurz d iskutiert werden. 
Im ersten Teil (2. 1 )  wollen wir auf die Zunahme der Lohnungleichheit in 
den USA (2. 1 . 1 )  sowie in  anderen OE CD-Staaten (2. 1 .2) eingehen,  wel­
che sich auch in einer parallel verlaufenden Zunahme der Einkommens­
ungleichheit widerspiegelt (2. 1 .3). Im zweiten Teil (2 .2) möchten wir dar­
aufhin darstel len, inwieweit aus Querschnittsdaten geschlossen werden 
kann ,  daß eine Zunahme der Einkommensungleichheit mit einem Rück­
gang des langfristigen Wachstums verbunden ist. 
2.1. Zunahme der Lohn- und Einkommensungleichheit in 
industrialisierten Staaten 
2.1.1 Lohnungleichheit in den USA 
Es kann  heute als unbestrittenes Faktum angesehen werden, daß seit 
den siebziger Jahren d ie Verteilung der Löhne als auch der Einkommen in 
den meisten I ndustrieländern ungleicher geworden ist. Für die USA wur­
de das zuerst festgestellt und in zahlreichen Folgestudien mit teilweise 
unterschiedlichen Datenquellen bestätigt (7). Untersuchungen für weite­
re OECD-Staaten haben eine ähnliche, wenngleich auch weniger stark 
ausgeprägte Entwicklung gezeigt. 
Die Zuwachsraten der Stundenlöhne männlicher Arbeitnehmer in den 
Vereinigten Staaten sind über d ie letzten zwanzig Jahre sehr unterschied­
l ich ausgefallen, je nachdem welches Perzentil der Lohnverteilung be­
trachtet wird .  So sind zwischen 1 975 und 1 992 die Stundenlöhne der Ar­
beitnehmer am 75. bzw. am 90. Perzentil um 1 0% bzw. 1 4% angestiegen, 
während Lohnempfänger am 1 0. bzw. 25. Perzentil Reallohneinbußen von 
3,2% bzw. 5, 1 %  hinnehmen mußten (8). Noch dramatischer zeigt sich d ie 
Entwicklung der Wochenlöhne, wo - aus einem anderen Datensatz be­
rechnet - fast drei Viertel der Arbeitnehmer stagnierende bzw. rückläufige 
Reallöhne über den Zeitraum 1 973-1 994 hinnehmen mußten (9). Als Kon­
sequenz daraus war der durchschnittl iche reale Wochenlohn eines 
Arbeiternehmers 1 994 geringer als noch im Jahre 1 973. 
Allerdings ist es umstritten, ob der angesprochene Reallohnrückgang für 
weite Bevölkerungskreise nicht bloß ein Artefakt einer fehlerhaften Berech­
nung des Konsumentenpreisindex darstellt (1 0). Diese Einwände ändern 
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