Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

24. Jahrgang ( 1 998),  Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
durch Einkommensungleichheit beeinflußt werden und wie Änderungen in 
der Verteilung auf die langfristige Wirtschaftskraft eines Landes einwirken. 
Wir greifen dabei auf ein um Humankapital erweitertes Solow­
Wachstumsmodell zurück, wie es beispielsweise von Mankiw et al .  ( 1 992), 
Lucas ( 1 988) und Haii/Jones ( 1 998) verwendet worden ist. (33) 
Das Gütervolumen (BIP) einer Wirtschaft wird gemäß einer Cobb­
Douglas-Produktionsfunktion erzeugt: Y = K6 (AHY·a , wobei K für physi­
sches Kapital ,  H für Humankapital (qual ifizierte Arbeit) und A für die 
("arbeitsvermehrende") Technologie steht. Jene Technologie wächst mit 
der Rate g (d .h AI A = g ). 
Das Humankapital H der Wirtschaft wird dadurch geschaffen,  daß d ie 
arbeitsfähige Bevölkerung einen Tei l  u ihrer potentiel len Lebensarbeits­
zeit für Aus- und Weiterbi ldung verwendet. Dadurch wird d ie einer Öko­
nomie zur Verfügung stehende Menge an ungelernter Arbeit L in produk­
tiveres Humankapital umgewandelt. Dieser Umwandlungsprozeß läßt 
sich , so n immt man weiters an ,  durch folgende funktionale Form be­
schreiben: H = e?" · L, wobei 9 > 0. I nvestiert eine Volkswirtschaft (bzw. 
deren I nd ividuen) keine Zeit in Ausbildung (u = 0), so besitzt sie auch kei­
nerlei qual ifizierte Arbeitnehmer, d .h .  H = L. Nimmt man an,  daß 9 = 0, 1 ,  
dann besagt d iese Formulierung, daß eine Verlängerung der durchschnitt­
l ichen Schulzeit u um ein Jahr das gesamte einer Wirtschaft zur Verfügung 
stehende Humankapital langfristig um 1 0% vergrößert ( a???H=9 ). 
Das gesamte zur Verfügung stehende Arbeitskräftepotential (bzw. die 
Bevölkerung) L wächst mit der Rate n (d .h .  LI L = n) . Wie beschrieben, be­
stimmt aber die gesamtgesellschaftl iche Ausbi ldungszeit u den Umfang, 
in  welchem die angeborenen Anlagen in tatsächlich produktives Human­
kapital umgewandelt werden. 
Physisches Kapital wird akkumul iert, indem ein Tei l  s der Produktion der 
letzten Periode nicht konsumiert, sondern investiert wird :  k = sY- dK, wo­
bei s die I nvestitionsquote (bzw. äquivalent die Sparquote) (34) darstel lt, 
d die Abschreibungsrate und K = dK 1 dt die Veränderung des Kapital­
stocks. 
Man kann zeigen (siehe Appendix A), daß unter d ieser Modell­
spezifikation die betrachtete Wirtschaft langfristig einem "Ruhezustand" (steady state) zustrebt, bei dem das Einkommen (bzw. BIP) pro Kopf y* 
nur noch im Ausmaß des technologischen Fortschritts g zunimmt. Im De­
tai l :  y*(t)=(n+?+ati-a hA(t), wobeih = e?" undy*ly* =g. 
Aus d ieser Gleichung kann man eine schematische Erklärung für den 
unterschiedl ichen Entwicklungsgrad verschiedener Länder herleiten .  
Reiche Ökonomien zeichnen sich gegenüber armen dadurch aus ,  daß 
s ie  eine hohe lnvestititonsquote s, ein n iedriges Bevölkerungswachs­
tum n, eine hohe durchschn ittl iche Ausbi ldungszeit u sowie einen ho­
hen Grad an technologischer Entwicklung A(t) besitzen (35). Die einfa­
che Spezifikation des um Humankapital erweiterten Solow-Modells 
reicht also bereits aus, d ie wichtigsten wachstums-und woh lstands­
fördernden Faktoren zu isol ieren ,  d ie größtentei ls auch mit den in  der 
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