Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

24. Jahrgang ( 1 998),  Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
Ländersampie verwendet wird .  "A [high Ievei of equality; MK] is associated 
with low political instabil ity and [ . . .  ] the latter is associated with high 
growth ."  Al lerd ings scheint d ieses Ergebnis durch eine kleine Gruppe är­
merer und unruhegeschüttelter Länder angetrieben zu werden. Die mei­
sten reichen Staaten haben sehr niedrige SPI-Werte, und politische I nsta­
bil ität im Sinne von bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Umsturzgefahr 
spielt für d iese kaum eine Rolle. 
Ein zweiter häufig verwendeter I ndex sozia-politischer Instabil ität greift 
auf "country risk'-Einstufungen zurück, wie sie von einigen l nvestitions­
beratungsfirmen erstellt werden. Darin werden Faktoren wie Enteignungs­
und Nationalisierungsrisiko, Anleihenausfallsrisiko, Vertragsdurchsetzbar­
keit, Ausmaß der Korruption etc. berücksichtigt. Diese I nd izes stellen also 
stärker auf d ie Sicherheit von Eigentumsrechten ab, sind also weniger "ex­
trem" als d ie Ind ices meßbarer politischer Unruhe. Es wurde gezeigt (48), 
daß sich auch d iese Länderrisiko-I ndikatoren verschlechtern , wenn  die 
Ungleichheit zun immt und daß eine Abnahme der Risikoeinstufung ihrer­
seits die Wachtumsraten verringert. Allerdings zeigt sich auch dabei für d ie 
Untergruppen der industrialisierten Ökonomien wen ig Variation in den 
I ndikatorwerten (wenngleich mehr als für den SPI) .  
Damit ist aber n icht gesagt, daß nicht auch für reichere Staaten eine 
Zunahme an Ungleichheit d ie in weiterem Sinne definierte soziale Instabi­
l ität erhöhen und dadurch wachtumsverlangsamende Auswirkungen zei­
tigen kann .  Die obenerwähnten Ergebnisse von Hall und Jones (1 998) 
und Knack und Keefer (1 997) können in d ieser Richtung verstanden wer­
den. Sie stützen die Vermutung, daß Ungleichheit zu einer Erosion des 
sozialen Zusammenhalts , zu verringertem pol itischen und gesellschaftli­
chen Engagement bis hin zu erhöhter Kriminal itätsbereitschaft führen 
kann .  
3.3 Ansatz unvollkommener Kapitalmärkte 
Ungleichheit kann  also den Willen zu legaler (pol it-ökonomischer An­
satz) oder i l legaler ( sozia-politischer l nstabilitätansatz) Umverteilung stär­
ken ,  wodurch I nvestitionsanreize (s und u) verringert oder Ressourcen 
durch unproduktive Abwehrmaßnahmen (z.B .  zum Eigentumsschutz und 
Steuervermeidung) vergeudet bzw. in  Umvertei lungskämpfen vernichtet 
werden (n iedrigeres A(t) ,  höheres d). 
Eine andere Möglichkeit, wie eine ungleiche Einkommensverteilung auf 
Produktion und Wachstum einer Wirtschaft einwirken kann ,  besteht dar­
in ,  daß sie n icht den Willen (d .h .  die Präferenzen) der Ind ividuen beein­
flußt, sondern indem sie deren Entscheidungsspielräume einengt. Ausbil­
dung kostet Geld , n icht nur zur Abdeckung der unmittelbaren Aus­
bildungskosten (die teilweise von der öffentlichen Hand getragen werden), 
sondern auch zur Finanzierung des Lebensunterhalts. Von einem Kosten­
Nutzen-Standpunkt aus betrachtet, wäre es für viele ärmere Individuen 
und Famil ien durchaus attraktiv, die Ausbildungskosten durch Kreditauf­
nahme am Kapitalmarkt zu finanzieren, welche dann aus dem durch die 
457
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.