Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

24. Jahrgang ( 1 998),  Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
hier nicht weiter interessieren soll .  Der Fertilitätsansatz dürfte für industria­
lisierte Staaten mit ihrem niedrigen Bevölkerungswachstum im großen und 
ganzen ebenfalls keine allzu gewichtige Rolle spielen,  und auch die 
nachfrageseitigen Überlegungen scheinen keinen dominanten Einfluß zu 
besitzen .  Im Zuge der zunehmenden "G iobalisierung" und der Ausweitung 
des i nternationalen Handels ist die durch die Einkommensverteilung be­
stimmte Zusammensetzung der nationalen Nachfrage nicht mehr so zen­
tral für die Innovationsbereitschaft und das Ausnützen möglicher zuneh­
mender Skalenerträge. "The idea that a large domestic market is better 
than a small one is breaking down now that the world market offers each 
country the largest possible market." (65) Bedeutsam bleiben h ingegen 
meiner Einschätzung nach die Rolle unvollkommener Kapitalmärkte und 
die Gefahr sozial-politischer Instabi l ität. 
Es wurde argumentiert, daß Haushalte über d ie Zeit hinweg sparen und 
Vermögen akkumulieren,  daß also im Zuge der allgemeinen ökonomi­
schen Weiterentwicklung auch ärmere Famil ien das Ausmaß ihrer abso­
luten Ersparnisse vergrößern und letztlich etwaige Liquiditätsbeschrän­
kungen abschütteln werden. "A h igher coefficient of the i ncome distri­
bution variable in rich economies is more d ifficult to rational ize in the 
context of the imperfect market approach: One would expect borrowing 
constraints to be more important in poor than in rich economies." (66) Das 
trifft allerdings nur unter der Annahme zu, daß die gesamten Ausbildungs­
kosten konstant bleiben, eine Annahme, die kaum gerechtfertigt werden 
kann .  Die unmittelbaren Ausbildungskosten (Schulgebühren etc.) hängen 
zu einem guten Teil von Personalkosten (des Lehrkörpers) ab, die sich 
wiederum gleichlaufend mit dem allgemeinen Einkommensniveau erhö­
hen werden . Von selbigem hängen aber klarerweise auch die Oppor­
tunitätskosten der Ausbildung ab . Die Frage ist also nur, ob die gesamten 
Ausbildungskosten schneller oder langsamer zunehmen als das vorhan­
dene Einkommen und Vermögen ärmerer Haushalte. Ein iges spricht da­
für anzunehmen, daß die Ausbildungskosten mindestens proportional an­
steigen , was bedeuten würde, daß - bei konstanter Einkommensvertei­
lung - die Anzahl l iquid itätsbeschränkter Haushalte ebenfalls konstant 
bleibt. Sie könnte sich sogar überproportional vergrößern, wenn die Aus­
bi ldungskosten überproportional ansteigen oder wenn sich zugleich die 
Präferenzen einer Gesellschaft zugunsten unmittelbarer Konsumbefrie­
digung und zuungunsten langfristiger Investitionstätigkeit (Sparen, Ausbil­
dung etc.) verschieben. (67) 
Bei der Diskussion des Ansatzes sozio-politischer I nstabil ität wurde be­
reits darauf h ingewiesen ,  daß für entwickelte Staaten die Gefahr gewalt­
samer, durch allzu große Einkommensungleichheit hervorgerufener Aus­
einandersetzungen eher gering sein dürfte. Andererseits kann aber nicht 
von der Hand gewiesen werden, daß eine Einkommensverteilung, d ie von 
der Mehrheit der Bevölkerung als ungerecht empfunden wird (und die sich 
möglicherweise auch noch weiter zuspitzt) andere Konsequenzen nach 
sich ziehen kann .  So wurde etwa bereits erwähnt, daß sich d ie Qual ität der 
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