Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1999 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesell schaft 25. Jahrgang ( 1 99 9 ) ,  Heft 4 
2. Zur Ausgangssituation: Wirtschaftspolitische Instrumente, 
Institutionen und Wirtschaftsentwicklung 
Die Kapitel 2 . 1  und 2.2 befassen sich m it den I nstitutionen u nd I nstrumen­
ten der Geld- und der Fiskalpolitik. Die Geldpolitik ist das einzige auf EWU­
Ebene zentralisierte I nstrument der Wirtschaftspolitik. Problematisch für die 
I nteraktion zwischen Geld- u nd Lohnpolitik erscheint die mangelnde Trans­
parenz der vorläufig vom EZB-Rat gewählten geldpolitischen Strategie. Die 
Handlungsspielräume der nationalen Fiskalpolitik der einzelnen Mitglieds­
länder werden d u rch den Maastrichter Vertrag und den Stabil itäts- und 
Wachstumspakt stark eingeschränkt. 
Den Kern des ersten Teil dieses Beitrags bildet das Kapitel 2.3 zur Lohn­
politik auf nationaler Ebene. (Supranationale Organisationsstrukturen der 
Gewerkschaften und Ansätze zur transnationalen Koordination der Lohnver­
handlungen in der EU werden erst im zweiten Teil thematisiert.) Das Unter­
kapitel 2.3.2 behandelt die gewerkschaftlichen Organisationsstrukturen i n  
d e n  Ländern Westeuropas. Diese Strukturen u nterscheiden sich wesent­
l ich im H i nblick auf wichtige Merkmale wie den Organisationsgrad ; 
Segmentation, Konkurrenz und Konzentration des Verbändesystems; 
i nnerverbandliehe Konzentration und Zentralisierung; Vertretung von 
Arbeitneh meri nteressen im Betrieb; Rollenverständnis und Tei lnahme an 
der gesamtwirtschaftl ichen Wirtschafts- und sozialpolitischen Steuerung. 
Auch in bezug auf die i nstitutionelle Ausgestaltung des Lohnver­
handlungssystems bestehen zwischen den westeuropäischen Ländern er­
hebliche Unterschiede (U nterkapitel 2.3.3). Wichtige Gemeinsamkeiten sind 
jedoch , daß Kollektiwertragsverhandl u ngen über Löh ne und Arbeitsbedin­
gungen auf mehreren Ebenen geführt werden, zumeist auf der Branchen­
und auf der Betriebsebene, und daß Branchentarifverhandlungen der domi­
nante kollektive Lohnsetzungsprozeß sind (Ausnahme: G roßbritannien). 
Sehr u ntersch iedlich sind die Formen der gesamtwirtschaftl ichen Koord i­
nation der Lohnverhandlungen. Die Außenseiterrolle fällt auch h ier Großbri­
tannien zu, denn lediglich dort sind die (überwiegend auf der Betriebsebene 
stattfindenden) Lohnverhandlungen unkoordiniert. Ein vergleichender Über­
bl ick ü ber die wichtigsten Änderungstendenzen der Lohnverhandlu ngs­
systeme Westeuropas in den achtziger u nd neunziger Jahren (Unterkapitel 
2.3.6) führt zu dem Ergebnis, daß gleichzeitig zwei scheinbar widersprüch­
l iche Tendenzen bestanden: zum einen eine gewisse, ü berwiegend kontrol­
l ierte Dezentralisierung der Tarifverhandlungen (Tarifverbände der 
Branchenebene delegierten Kompetenzen an die Betriebsebene; siehe 
Unterkapitel 2.3.3), zum anderen eine Zentralisierung insofern , als in meh­
reren Ländern auf nationaler Ebene ,Soziale Pakte' zwischen den Sozial­
partnern und der Regierung vereinbart wurden ( U nterkapitel 2 . 3.5). Tat­
sächlich sind die beiden Tendenzen komplementär, denn die Aufwertung der 
Betriebsebene erhöht die Anpassu ngsfähigkeit der Betriebe an marktliehe 
u nd technische Veränderungen, und die Sozialen Pakte dienen der gesamt­
wirtschaftl ichen Kontrolle der Loh nentwicklung sowie strukturellen Refor-
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