Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1999 Heft 4 (4)

25. Jahrgang ( 1 999), Heft 4 
Wirtschaftliche Folgen der 
Immigration in Deutschland 
Rezension von: Hans Dietrich von 
Loeffelholz, Günter Köpp, Ökonomische 
Auswirkungen der Zuwanderung nach 
Deutschland, Duncker & Humblot, Berlin 
1998, 166 Seiten, öS 715,-. 
Etwa 20 Millionen Migranten (netto) 
sind zwischen dem Ende des Zweiten 
Weltkriegs und 1 995 nach Deutschland 
gekommen: 14 Mill ionen deutscher so­
wie 6 Millionen nichtdeutseher Herkunft. 
Über Zuwanderung und Aufnahme der 
deutschen Vertriebenen und Aussiedler 
sagen die Autoren nur soviel, daß sie 
nach anfänglichen Infrastrukturproble­
men im Zuge des Wirtschaftsauf­
schwungs rasch integriert werden konn­
ten und Arbeitskräfte in den sechziger 
Jahren schon wieder knapp wurden. Im 
weiteren Verlauf widmet sich das Buch 
Fragen der Integration von Ausländern. 
Nicht nurfür historisch Interessierte wäre 
es durchaus informativ gewesen, an die­
ser Stelle auch etwas mehr über den ln­
tegrationsverlauf der erstgenannten 
Gruppe zu erfahren. 
Die Erwerbsbeteiligung der Ausländer 
war anfangs aufgrund der Anwerbege­
schichte deutlich höher als die der Ein­
heimischen, hat sich aber inzwischen 
weitestgehend dieser angeglichen. Ob­
wohl sie 1 995 in allen Wirtschaftsgrup­
pen vertreten waren, ist die Verteilung 
ausländischer Arbeitnehmer bis heute 
von den Anwerbephasen geprägt: verar­
beitendes Gewerbe, Bauwesen und die 
weniger attraktiven Dienstleistungen 
sind überproportional besetzt. Ausländer 
haben nach Meinung der Autoren in 
Deutschland vor allem die "schlechten 
Jobs", d .h .  solche, aus denen sich die 
Deutschen längst zurückgezogen haben 
Wirtschaft und Gesellschaft 
- und sei es in die Arbeitslosigkeit. 
Schlechte Jobs sind durch geringe Ver­
dienstmöglichkeiten, ungünstige Ar­
beitsbedingungen und hohes Arbeitslo­
sigkeitsrisiko gekennzeichnet. Interes­
sant ist allerdings der hohe Selbständi­
genanteil, der nur noch geringfügig unter 
dem deutschen liegt. 
Im Vergleich zu Deutschen sind Aus­
länder überporportional von Arbeitslosig­
keit betroffen, ihre Arbeitslosenquote ist 
etwa doppelt so hoch. Sie sind allerdings 
im Schnitt drei Monate kürzer arbeitslos 
und weisen geringere Langzeitarbeitslo­
sigkeit auf. Aufgrund der bisherigen Ent­
wicklung der sektoralen Struktur der 
Ausländerbeschäftigung ist auch für die 
Zukunft zu erwarten, daß Ausländer wei­
terhin übermäßig von Beschäftigungs­
schwankungen bzw. -abbau betroffen 
sein werden, und daß ihnen ein verstärk­
ter Übergang in Berufe des tertiären 
Sektors nur möglich sein wird, wenn es 
gelingt, ihre Bildungsbeteiligung deutlich 
zu erhöhen. 
Es ist aus anderen Arbeiten zum The­
ma bekannt, daß relativ moderat verlau­
fende Entwicklungen bei Nettozuwande­
rungen und Ausländerbeständen oft mit 
enormen Umschlagsprozessen verbun­
den sind. Für manche der in dieser Ar­
beit erörterten Fragen hätte eine Einbe­
ziehung der Wanderungsdynamik viel­
leicht noch interessante Einblicke er­
möglicht. 
Zuwanderer sind Substitute für gering­
qualifizierte Arbeitskräfte und Komple­
mente für Besserqualifizierte. Damit ist 
zumindest partiell eine Verdrängung von 
deutschen Arbeitnehmern durchaus 
möglich. Die Autoren gehen jedoch da­
von aus, daß ein nennenswerter Einfluß 
auf das Lohnniveau der Einheimischen 
nicht zu beobachten war. Bei den derzeit 
geltenden Zumutbarkeitsbestimmungen 
für (deutsche) Arbeitslose kann auch 
nicht von Verdrängungseffekten gespro­
chen werden. Neue Zuwanderer könnten 
allerdings mittel- bis langfristig durchaus 
bereits ansässige Ausländer und Aus-
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