Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2000 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 26. Jahrgang (2000), Heft 3 
Die Beschäftigung war 1 999 jedenfalls nicht stabiler als in den 
Jahren zuvor: Mit knapp 71 7.000 Personen setzte sich der Trend 
zu steigender Betroffenheit von Arbeitslosigkeit leicht abge­
schwächt weiter fort. Der Rückgang bei den Jahresdurchschnitts­
beständen erfolgte ausschließlich über d ie Dauerkomponente. Es 
war also etwas leichter geworden,  aus der Arbeitslosigkeit wieder 
abzugehen. 
Die meisten der über 700.000 Betroffenen suchen wieder eine 
Beschäftigung. Zwei weitere Personengruppen, die jeweils etwa 
so groß sind wie der Jahresdurchschnittsbestand an Arbeitslo­
sen ,  wechseln d irekt von einem Beschäftigungsverhältnis in ein 
anderes bzw. treten (wieder) in  den Arbeitsmarkt ein. Damit l iegt 
das pro Jahr für Stellenbesetzungen mobile Arbeitsangebot bei 
weit über 1 Mi l l ion Personen. Etwa 80% davon finden einen neu­
en Arbeitsplatz. Die Strukturen von Stichtagsbeständen repräsen­
tieren Momentaufnahmen von Zuständen. Sie - und auch die 
Durchschnitte dieser Bestände - sind nicht "die Arbeitslosen" -
das verfügbare Arbeitsangebot schon gar nicht. Die Strukturen der 
Anstellungsdauer, des Altersaufbaus und der Qualifikation sind 
keine geeigneten Bezugspunkte, wenn Aussagen über Arbeits­
marktprozesse gemacht werden sollen.  Dafür müßten Bewe­
gungsdaten zugrundegelegt werden. 
Die Aussage, daß man geringqualifizierte Arbeitslose für viele 
der neuentstehenden Arbeitsplätze in den Bereichen Hoch­
technologie und moderne Dienstleistungen in der verfügbaren Zeit 
und mit einem vertretbaren Aufwand nicht nachqualifizieren kann, 
ist zwar nicht ganz falsch, geht aber an dem Problem vorbei. Er­
höhte Arbeitslosigkeit ist nur ein sichtbares Zeichen für den allge­
meinen Mangel an Erwerbsmöglichkeiten. ln der Phase der struk­
turellen Verfestigung von Arbeitslosigkeit kommt es im Beschäfti­
gungssystem zu starken personellen Umschichtungen. Nach ei­
ner gewissen Suchzeit sind immer mehr Erwerbstätige bereit, 
auch Arbeitsplätze anzunehmen, für die sie eigentlich über­
qualifiziert sind. Damit wird der Mangel verschoben und konzen­
triert sich in den Problemgruppen des Arbeitsmarktes - das sind 
jene Menschen, deren persönl iche Merkmale aus der Sicht von 
Personalverantwortl ichen den geringsten Marktwert haben. Diese 
Merkmale sind aber nicht Ursache des Mangels an Arbeitskräfte­
nachfrage, sondern sie bestimmen Zuordnungen. 
Während der konjunkturellen Erholung verläuft die Beschäfti­
gungsumschichtung in umgekehrter Richtung, aber wegen der un­
vermeidbaren Friktionen des Arbeitsmarktes treten dabei auch zeit­
weilig Engpässe in Teilmärkten auf. Man muß dem Arbeitsmarkt Zeit 
zur Erholung lassen und die Engpässe durch Schulung und Wei­
terbildung sowohl der Arbeitslosen als auch der Beschäftigten all­
mählich abbauen. ln jedem längeren Aufschwung - so auch in die-
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