Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2002 Heft 3 (3)

28. Jahrgang (2002) , Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft Zur ökono:q1ischen Sinnhaftigkeit von , N oll-Defiziten'* Arne Heise Ein Staat ohne Staatsschulden tut entweder zuwenig für seine Zukunft, oder er fordert zuviel von seiner Gegenwart. Lorenz von Stein, 1 878 1. Die Ausgangslage Dem monetaristischen Jahrzehnt der Priorität für Preisstabil ität folgt nunmehr eine Phase, in der die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte besondere Bedeutung hat und der ausgegl ichene Haushalt - sprachver­ korkst als , N u l l-Defizit' - geradezu in den Rang ei nes finanzpolitischen Mythos ,solider Haushaltsführung' erhoben wird. Die neuere Wirtschaftsfor­ sch ung hat längst die kurzfristigen Kosten der Preisstabil itätspolitik bestätigt, die Debatte ü ber die an haltenden Kosten von , Nul l- Inflations­ raten' ist nachträglich entbrannt, 1 und es besteht immerh in die Hoffnung, dass daraus für die Zukunft gelernt werden kann. Vor diesem Hintergrund sollte im Zusammenhang mit der Finanzpolitik einerseits sehr vorsichtig mit neuen Mythen umgegangen werden, andererseits zeigt das vorangestellte Zitat, dass ein Blick in die finanzpolitische Dogmengeschichte ebenfalls dahingehend mahnt, dass Wissen gelegentlich verloren gehen kann. Die Diskussion um die Haushaltskonsolidierung im Allgemeinen und die budgetären Null-Defizite im Speziellen ist zweifel los auf der Grundlage steigender Staatsverschuld ung in vielen westlichen Demokratien im Zeit­ alter des ,Keynesianischen Wohlfahrtsstaates' in den siebziger und achtzi­ ger Jahren zu verstehen , als eine I nterventionseuphorie die Grenzen der öffentlichen Verschuldung in den Hintergrund treten l ieß und, wie James M . Buchanan ( 1 986) befürchtete, d i e Normen soliden Haushaltans z u bedro­ hen schien. Abbildung 1 zeigt deutl ich, dass d iese Gefahr - auf den ersten Blick - auch und in besonderem Maße in Österreich bestand. Mit der ersten Öl­ preiskrise Mitte der siebziger Jahre schwenkte die Österreichische Budget­ politik auf einen über zweieinhalb Dekaden anhaltenden Defizitkurs - an 29 1

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