Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2002 Heft 3 (3)

28. Jahrgang (2002) ,  Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
diese etwa für Fondsmanager. Sie müssen dan n ,  um ihren Bonus 
zu sichern, darauf setzen ,  d ie Meinung der anderen zu erraten und 
mitzuziehen, bis die Blase platzt. Beim Platzen sind sie insofern 
,aus dem Schneider', als es ja ,der Markt' war, der schuld ist; man 
darf nur nicht viel schlechter sein als der Rest. Das Problem haben 
dann die Anleger, anders als bei Kreditmanagern, bei denen das 
Problem in der Bilanz des eigenen Unternehmens ,hängen' bleibt. 
Obwohl in der Unternehmensfinanzierung scheinbar eine Kon­
kurrenz zwischen Kapitalmarktfinanzierung und Kreditfinanzierung 
besteht, haben auch die Kommerzbanken ein vitales I nteresse an 
der Entwicklung des Kapitalmarktes: Kommerzbanken brauchen 
die Börsen ,  um mit ihrem Risiko besser umgehen zu können. Seit 
Beginn der Liberalisierung der Kapitalmärkte und des Bankwesens 
verschärfte sich die Konkurrenz in diesem bis dahin geschützten 
Bereich. Der Rentabiltätsdruck sorgte dafür, dass auch mehr Risi­
ko in den Bankbilanzen angehäuft wurde. Dies war mit ein Grund 
für den Trend zur Verbriefung von Forderu ngen u nd anderen 
Finanzierungsformen, mit deren Hilfe Risken besser gehandhabt 
und/oder aus der Bankbilanz gebracht werden kön nen - ver­
schwunden sind sie damit aber nicht. 
Dass die Verheißungen des Kapital marktes bei Publikum und 
Politik nicht auf taube Ohren gestoßen sind, hat aber wahrschein­
lich am meisten damit zu tun ,  dass alle Beteil igten an ein Perpetu­
um mobile glauben wollten. Vom Ende der Konjunktur war da die 
Rede und von unablässig steigenden Renditen. Ein Perpetuum 
mobile existiert in der Ökonomie aber genauso wenig wie i n  der 
Physik. Diese schmerzhafte Erfahrung müssen nun all jene ma­
chen, deren Pensionsvorsorge in einem System veranlagt ist, des­
sen Anreize zum systematischen Betrug einfach zu groß waren. Ein 
System, das von Quartalsberichterstattung zu Quartalsberichter­
stattung lebt und in dem kurzfristige Bilanzmanipulationen zu einem 
enormen Gewinn für die verantwortlichen Manager führen, weil die 
Entlohnungssysteme in Form von Aktienoptionen eben Anreize zu 
einer ,H inter mir die Sintflut'-Strategie hat. Paul Krugman ist abso­
lut zuzustimmen, wenn er sagt, dass Vorfälle wie der Enron-Skan­
dal ( oder der von WorldCom, Global Crossing usw. ) mehr Einfluss 
auf das Denken und Handeln in den USA haben werden als der 1 1 .  
September. 
l n  den Konjunkturprognosen findet dies auch bereits seine Be­
rücksichtigung: Angesichts der Tatsache, dass d ie Sparquote i n  
den USA über Jahre um null gelegen ist, weil das ,Sparen' durch 
(Buch-)Gewinne an den Kapitalmärkten ersetzt worden war (auch 
ein Ausdruck des Glaubens an ein Perpetuum mobile), ist das Ri­
siko, dass die Erholung noch länger auf sich warten lässt, tatsäch­
lich hoch, weil dadurch vom privaten Konsum nicht allzu viel Stimu­
lus zu erwarten ist. U nd von der (konsumabhängigen) Konjunktur 
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