Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2002 Heft 4 (4)

28. Jahrgang (2002), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft BÜCHER Die Frau in der Wirtschaftsentwicklung Rezension von: Lourdes Beneria mit Savitri Bisnath (Hrsg.), Gender and Development: Theoretical, Empirical and Practical Approaches, 2 Bände, Edward Elgar, Cheltenham 2001 ,. 1 .248 Seiten, f. 270. Zu den vielen wirtschaftlichen Problemen, überwelche die neoklassische Theo­ rie nichts zu sagen weiß, zählt auch die Rolle der Frauen im Wachstumsprozess. Wie denn auch; der "homo oeconomicus" ist nicht nur raum- und zeit-, sondern auch geschlechtslos. Erst in den fünfziger Jahren erwachte in diesem Rahmen das erste Mal ein Interesse an dem Thema, als mit stetig steigendem Einkommen die Erwerbstätigkeit der Frau ebenso zunahm. Das hätte angesichts der rückwärtsge­ neigten Arbeitsangebotskurve nicht sein dürfen. Eine Antwort auf dieses Phänomen fand Mincer über den Substitutionseffekt Becker folgte dieser Richtung durch die Zeitallokation der Haushaltsmitglieder. Er erweiterte schließlich diesen neoklassi­ schen Ansatz für andere Entscheidungen des Haushalts, wie etwa auch über die gewünschte KinderzahL Der Schreiber dieser Zeilen versuchte damals auf die insti­ tutionellen Determinanten der Frauenarbeit hinzuweisen, welche sich aus den schichtenspezifischen Wertvorstellungen ableiteten.1 Ein Ansatz, der natürlich ohne Echo blieb. Erst mit dem Entstehen der feministischen Bewegung weitete sich die Diskussi­ on über den Rahmen der Neoklassik aus; zunächst in Richtung des Marxismus, durch Verschränkung der Frauenproblematik mit der Klassenlage und der prekären Situation der Frau im Kapitalismus schlechthin, später, aufvielfältiger theoretischer Basis, sich mit den Fragen der negativen Folgen von wirtschaftlichen Veränderun­ gen in den Entwicklungsländern für das weibliche Geschlecht beschäftigend. Die Frau, die Dritte Welt und der Kapitalismus Dieses Problem wurde erstmals durch die Arbeit Boserups "Woman's Role in Economic Developmenf' ( 1970) aktualisiert. Die Autorin stellt darin die bis dahin vor­ herrschende Auffassung in Frage, das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungs­ ländern käme beiden Geschlechtern in gleicher Weise zugute. Sie legte dar, dass Frauen davon sogar negativ betroffen sein können. Diese grundlegende Studie in­ itiierte eine Fülle von Forschungsarbeiten, welche sich bis zur Gegenwart nicht nur mit dieser Thematik beschäftigten, sondern den vielfältigen Verbindungen zwischen der Wirtschaftsentwicklung und den Frauenpositionen nachgehen. Der Verlag Edward Elgar hat nun im Rahmen seiner verdienstvollen Reihe, in wel­ cher die wichtigsten Aufsätze jüngerer Zeit jeweils zu einem ökonomischen Sach­ bereich -zumeist im Faksimile -wiederabgedruckt werden, zwei Bände zum The­ ma Geschlechter und Wirtschaftsentwicklung herausgebracht. Darin wird die be- 5 8 1

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