Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 2002 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft Soziale Leistungen in der Diskussion Rezension von: Christine Stelzer- Orthofer (Hrsg.), Zwischen Welfare und Workfare. Soziale Leistungen in der Diskussion, Sozialwissenschaftliche Vereinigung, Linz 2001, 368 Seiten, € 25,44. Obwohl die Beschwörung des "Dritten Weges" in der politischen Auseinander­ setzung viel an Anziehungskraft ver1oren hat und das von der ÖVP-FPÖ-Regie­ rung geplante Bürgergeldprojekt aus der politischen Öffentlichkeit fast ver­ schwunden ist, so sind doch die grund­ legenden Fragestellungen bezüglich der Gestaltung sozialer Leistungen weiterhin ganz oben auf der politischen Tagesord­ nung. Die seit Jahren anhaltend hohe Ar­ beitslosigkeit in Europa, der Wandel der Arbeitsverhältnisse in Richtung atypi­ scher Beschäftigung, Armut und sozia­ le Ausgrenzung und die fortschreitende Einkommensungleichheit führen gera­ dezu zwangsläufig zu der Frage der zu­ künftigen sozialen Sicherung in Europa. Der vorliegende Sammelband doku­ mentiert gesellschaftliche Entwicklungs­ trends innerhalb der EU. Die Daten sprechen eine deutliche Sprache und sind unbestritten, allein die Vorschläge zur Wohlfahrtsstaatsreform haben eine beträchtliche Bandbreite und sind viel diskutiert. Das Buch bietet damit eine Fülle von inhaltlichen Thematiken und Standpunkten. Zu Beginn geht Josef Weidenholzer der Frage nach: "Muss der Wohlfahrts­ staat neu konzipiert werden?" Weiden­ holzer plädiert in seinem Beitrag für eine Entwicklung eines europäischen Sozial­ modells: "Der Wohlfahrtsstaat der Zu­ kunft wird europäisch sein oder er wird 598 28. Jahrgang (2002), Heft 4 nicht mehr sein." Inhaltlich sollte sich das neue Wohlfahrtsstaatmodell nicht mehr so sehr an der Versorgung, son­ dern am Empowerment der Betroffenen orientieren. Interessant an diesem Bei­ trag ist auch, dass Weidenholzer die se­ mantischen und symbolischen Ebenen der Debatte mit berücksichtigt. Susanne Schunter-Kieemann unter­ sucht in ihrer Arbeit die fundamental verschiedenen Weisen der Regulation der (Lohn-)Arbeit durch Welfare- und Workfare-Regime aus einer feministi­ schen Sicht. Workfare-Regime sind ge­ prägt von Flexibilisierungs- und Deregu­ lierungsdiskursen. Sie betonen dabei die "Selbstverantwortung der Arbeitslo­ sen", die Erhöhung der .Arbeitsanreize für Niedriglohnbranchen", die .Auflö­ sung von beschäftigungshemmenden Regulierungen" und fördern die "Schwä­ chung der Gewerkschaften in den ar­ beitsmarktpolitischen und sozialstaatli­ ehen Gremien". Dabei wurde im Allge­ meinen kaum Rücksicht darauf genom­ men, wie die neuen Arbeitsmarkttrends in Beziehung zu den veränderten Fami­ lien- und Haushaltsstrukturen stehen. Da die vorhandenen erwerbsorientierten Sicherungssysteme die Besonderheiten der weiblichen Lebenslagen weitgehend ausblenden, das Prinzip der Familien­ subsidiarität aufgrund neuer Formen des Zusammenlebens aber immer mehr obsolet wird, sitzen Frauen, was ihre Absicherung betrifft, "zwischen den Stühlen". Schunter-Kieemann benennt deswegen wichtige Eckpunkte einer wohlfahrtstaatlichen Neuorientierung aus frauenpolitischer Sicht, in denen die supranationale Ebene mit einbezogen wird. Jens S. Dangschat geht in seinem Beitrag der räumlichen Konzentration von Armut nach. Zunehmende soziale Ungleichheit bildet sich zusätzlich als Segregation im Raum ab, wodurch die sozialen Benachteilungen, die Armuts­ entwicklungen und die Mechanismen sozialer Ausgrenzung weiter verschärft

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