Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2002 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 28. Jahrgang (2002), Heft 4 Das Ergebnis der diesbezOgliehen empirischen Überprüfung ist in jeder Hinsicht negativ. Es gibt weder signifikante Internationalisierungseffekte noch eine einzige beste Lösung. Letzteres macht auch fOr die Zukunft Kon­ vergenzprozesse unwahrscheinlich, selbst wenn der internationale Wett­ bewerb noch intensiver werden sollte. Denn in Ermangelung eines single best way fehlt jeder Ansatzpunkt fOr die marktvermittelte "natural selection" der Institutionen. Im Gegensatz dazu stützten alle unsere Befunde die These von der Pfadabhängigkeit institutionellen Wandels. Die Zentralisation der Lohn­ regelung wird einerseits durch deren institutionelle Rahmenbedingungen, andererseits durch selbstreferenzielle Anpassung signifikant beeinflusst. Begünstigt wird diese pfadabhängige Entwicklung durch die Absenz eines "Königspfads". Die in der Einleitung aufgeworfene Frage, ob Pfadabhängigkeit eher durch Optionsspielräume erfolgreicher Anpassung auf der Grundlage funktional äquivalenter Lösungen oder durch die lrresponsivitat der Institutio­ nen gegenüber Leistungserfordernissen bedingt ist, kann hier nicht beantwor­ tet werden, da zwischen den Ausprägungen der hier betrachteten Institution keinertei signifikante Leistungsunterschiede bestehen. Es gibt jedoch indirekte Hinweise dafür, dass Responsivität durchaus gegeben ist: Der Tatbestand, dass der Effekt der periodenverzögerten Zentralisation der Lohnregelung (BCENLAG) für die Perioden 1974-76, 1980-82 und 1983-85 insignifikant ist (Tabelle 3), bringt zum Ausdruck, dass sich in dieser Zeit gegenüber der jeweiligen Vorperiode beachtliche Veränderungen in der Lohnregelung vollzogen. Es ist wohl kein Zufall, dass sich in diesen Vorperioden folgenreiche ökonomische Umwälzungen vollzogen, die die Lohnpolitik unter massiven Anpassungsdruck setzten: die erste Ölpreiskrise von 1973, die zweite Ölpreiskrise von 1979 sowie der in den frühen 80er Jahren erfolgte Paradigmenwechsel von der Nachfrage­ zur Angebotspolitik. Wie die nähere periodenspezifische Betrachtung zeigt, 25 kam es gerade im Vertauf dieses Paradigmenwechsels zu der oben konstatierten signifikanten Dezentralisierung der Lohnregelung. Institutionen sind daher keineswegs ultrastabiL Sie reagieren jedoch im Regelfall auf Problemdruck nur mit solchen Anpassungsschritten, die mit ihren Eigentümlichkeiten vereinbar sind. Erst unter dem Eindruck externer Schocks wird institutioneller Wandel wahrscheinlich. Keine Schlussfolge­ rungen lassen die hier präsentierten Ergebnisse zu der Frage zu, ob solche Schocks tendenziell zu funktionalen Anpassungslösungen anleiten. Es versteht sich von selbst, dass die hier präsentierten Befunde zur Zentralisation der Lohnregelung sich nicht umstandslos auf andere gesell­ schaftliche Bereiche und Institutionen anwenden lassen. Am wenigsten ist eine solche Generalisierung in Bezug auf die hier berichteten Leistungsef­ fekte angebracht. Dennoch lassen sich Schlussfolgerungen zur generellen Erklärungskraft der Konvergenz- und Pfadabhängigkeitshypothese ziehen. Aus den oben angeführten Gründen ist anzunehmen, dass die Lohn­ regelung den Anpassungserfordernissen der wirtschaftlichen Internatio­ nalisierung in hohem Maße ausgesetzt ist. Dies unterstreicht nicht zuletzt der Umstand, dass die komparativen Lohnkosten als zentrales Kriterium 484

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