Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2002 Sonderheft (Sonderheft)

28. Jahrgang(2002), Sonderheft Wirtschaft und Gesellschaft 
Die Arbeiterkammerorganisation im 
geänderten wirtschaftlichen, 
gesellschaftlichen und politischen Umfeld 
WernerMuhm 
Die Arbeiterkammerorganisation befindet sich seit Beginn der neunziger 
Jahre in einem Veränderungsprozess, der sowohl auf geänderte gesetzliche 
Aufgabenstellungen und Rahmenbedingungen als auch auf tiefgehende wirt-
schaftliche und gesellschaftliche Wandlungen zurückgeht. Die AK hat in ei-
nem sich nun schon über zehn Jahre erstreckenden Reformprozess ihre 
Organisation und ihr Tätigkeitsprofil den sich ändernden gesellschaftlichen und 
politischen Anforderungen unter Beibehaltung der interessenpolitischen Ziele 
angepasst. Ziel aller Reformschritte war eine Stärkung der Mitgliederbindung 
durch eine erweitertes und verbessertes Beratungsangebot, durch verbesserte 
Kommunikation und durch eine den neuen Problemstellungen und Heraus-
forderungen entsprechende lnteressenpolitik. 
Eingeleitet wurde die Reform durch das Arbeiterkammergesetz 1992, mit 
dem die demokratischen Strukturen und die Kontrollmechanismen ver-
stärkt und das Dienstleistungsangebot durch Einführung des obligatori-
schen Rechtsschutzes ausgeweitet wurden. Seit 1995 unterliegt die Ge-
barung der AK so wie auch bei allen anderen Kammern der Prüfung des 
Rechnungshofes. Weitere Änderungen in den gesetzlichen Rahmenbedin-
gungen betrafen die Durchführung einer Mitgliederbefragung (1996), das 
Wahlrecht und die Regelung der Bezüge der leitenden Funktionäre. Aber 
auch über die durch Gesetzesnovellen bedingten Änderungen hinaus hat 
die AK bei Dienstleistungen und Förderungen neue Schwerpunkte gesetzt 
(Bildung, Konsumentenschutz), die Interessenpolitik und Grundsatzarbeit 
auf neue Herausforderungen eingestellt, sowie die Kommunikation zwi-
schen Mitgliedern, Funktionären und dem AK-Büro verbessert. Alle diese 
Änderungen wurden in enger Abstimmung und Kooperation mit dem ÖGB 
bzw. den Gewerkschaften vorgenommen, die seit 1992 im AK-Gesetz 
ausdrücklich festgeschrieben ist. 
Stärkung der politischen Legitimationsgrundlage 
Die Wahlbeteiligung an den AK-Wahlen war bis zur Wahl 1994 kontinu-
ierlich zurückgegangen und erreichte bei dieser Wahl im Bundesdurch-
s
        

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