Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 2 (2)

30. Jahrgang (2004), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
BERICHTE UND DOKUMENTE 
Adolf Kozlik 1912-1964 
- eine Erinnerung 
Kurt W. Rothschild 
Traditionelle Beachtungen von "run­
den" Gedenkjahren (Geburtsjahre, To­
desjahre, Gründungsjahre etc.) können 
zwei grundsätzlich verschiedenen 
Zwecken dienen. Sie können dem An­
denken besonders hervorragender und 
berühmter Personen gewidmet sei n ,  
denen auf d iese Weise gewisserma­
ßen posthu m eine neuerliche Ehrung 
erwiesen wird, die sie eigentlich n icht 
"benötigen". Mozart würde auch ohne 
ein "Mozartjahr" nicht vergessen wer­
den und nicht ungespielt bleiben. Even­
tuell können Gedenkjahre in solchen 
Fällen Anlass für besonders ausge­
stattete Veranstaltungen sein. 
Eine gänzlich andere Bedeutung ha­
ben Gedenkanlässe, die sich auf Per­
sonen beziehen, die schon zu Lebzei­
ten zu wenig Beachtu ng fanden 
u nd/oder nach ihrem Tod i n Verges­
senheit geraten sind. Die Funktion sol­
cher Veranstaltungen ist es, die Be­
deutung dieser Personen in Erinnerung 
zu rufen. Dieser Beitrag ist aus dieser 
zweiten Sicht abgefasst. Er beschäftigt 
sich mit einem besonders intell igenten 
und interessanten,  aber vernachläs­
sigten Österreichischen Ökonomen: mit 
Adolf Kozl ik,  dessen vierzigster To­
destag sich heuer jährt. 1 964 erlag er, 
erst 52-jährig, in Paris einem Herzver­
sagen. Er befand sich dort bei einem 
Zwischenaufenthalt auf seiner Ab-
schiedsreise aus Österreich, um eine 
ihm angebotene Professur an der an­
gesehenen kanadischen Dal housie­
Universität in Halifax anzutreten. Sein 
Heimatland hatte ihm keine entspre­
chende akademische Arbeitsmöglich­
keit geboten. 
Diese Rückbesi n n u n g  auf Kozlik 
kann nicht i n  Anspruch nehmen, ein 
umfassendes Bi ld von Kozl ik  als 
Mensch und als Wissenschafter zu ge­
ben, obwohl er in beiderlei Hinsicht un­
gewöhnliche und i nteressante Per­
spektiven bietet. Um e i n  solches Ziel 
zu erreichen, müsste man weit über die 
Grenzen eines Aufsatzes hinausgehen. 
Vielmehr sollen hier nur zwei Aspekte 
kurz behandelt werden: Erstens soll ei­
ne generelle Vorstel lung von der Ei­
genheit Kozliks und seines Werks ge­
boten werden, und zweitens soll die Ak­
tual ität ein iger G ru ndzüge seines 
Spätwerks in Zusammenhang mit dem 
heutigen Wirtschaftsgeschehen ange­
deutet werden.1 
Kozlik - Person u nd Werk - war ein 
eigenartiges und faszin ierendes Ge­
misch aus diversen und teilweise wider­
sprechenden Ei nflüsse n ,  fußend auf 
seinen persönlichen Eigenschaften und 
den Österreichischen Verhältnissen in 
seinen prägenden Entwicklungsjahren. 
Was die persönliche Seite betrifft, so 
zeigen sein ganzes Leben und all sei­
ne Aktivitäten eine ständige Konfronta­
tion und ein ständiges Bemühen um ei­
ne Kombination von e i nerseits einer 
messerscharf logischen und objektiven 
Analyse sozialwissenschaftl ich rele­
vanter Vorgänge und andererseits ei­
nem selbstlos-mutigen Aktivismus zur 
Veränderung der sozialen Verhältnisse 
im Interesse der "Erniedrigten und Be-
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