Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 2 (2)

30. Jahrgang (2004), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
1 . ) Warum variiert die Rolle der Stabilisierungspolitik in den statutarisch 
festgelegten Zielen der Geldpolitik weltweit so stark? Weitgehend parallel 
zum Niedergang der Politikineffizienzhypothese der neuen klassischen 
Makroökonomie gingen viele Länder, allen voran Großbritannien und Kana­
da, dazu über, i h re geldpolitische Strategie zu ändern : Wechselkurs- oder 
Geld mengenzielstrategien wurden durch l nflationszielstrategien abgelöst 
mit scheinbar geringer Bedeutung von Stabil isierungspolitik. Dabei senkt 
(e rhöht) d i e  Notenbank d i e  Zinssätze, wen n  e i n  I nflationsrückga ng 
(-anstieg) prognostiziert wird, um so die I nflationsrate auf dem I nflations­
zieln iveau zu halten .  Mit dem Ü bergang zur I nflationszielstrategie vieler 
I ndustrieländer in den frü hen 1 990er Jahren und auch zunehmend einiger 
Schwellenländer wurde Preisstabil ität überwiegend als primäres Ziel der 
Geldpolitik statutarisch verankert. Auch der Vertrag von Maastricht legt die 
Sicherung der Preisstabil ität als das primäre geld politische Ziel des Eu­
ropäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) fest, verpflichtet jedoch 
auch zur Verwirkl ichung der Ziele der Gemeinschaft, die in Artikel 2 EG­
Vertrag festgelegt sind , wie beispielsweise eine hohe Beschäftigung. Der 
Humphrey-Hawkings-Akt aus dem Jahr 1 978 legt hingegen fest, dass die 
Förderung des Wirtschaftswachstums neben der Sicherung der Preissta­
bi l ität ein gleichrangiges geldpol itisches Ziel der FED ist . 1 1  Dieses duale 
Mandat der F E D  ist weit reichend und die E rfahrungen der USA zeigen 
doch , dass beide Ziele, Preissta b i l ität u nd n iedrige Wachstums­
schwankungen kombin iert werden konnten. 12 
2 . )  ln welcher Beziehung stehen gesetzliches Mandat und Geldpolitik? 
Wen ngleich die Mandate sehr unterschiedl ich sind, zeigen vergleichende 
U ntersuchungen ü ber das Verhalten der Noten banke n ,  i n  denen Reak­
tionsfunktionen geschätzt werden, die die Reaktion der Notenbankzinssät­
ze auf die prognostizierte Produktionsl ücke, die I nflationslücke und wei­
tere Va ria ble abbilde n ,  dass sich Notenbanken sehr ä h n lich verhalte n .  
Selbst jene, d i e  in ihrer Kommunikationsstrategie e i n  striktes I nflationsziel 
verfolgen, reagieren sehr wohl auf prognostizierte Konjunkturabschwünge 
mit Zinssenkungen. 
3.) Lassen sich ökonomische Gründe finden, die die geringe oder Nicht­
Beachtung von konjunkturpolitischen Zielen der Geldpolitik, wie sie in eini­
gen Ländern statutarisch festgelegt ist, rechtfertigen würden? 
Zunächst wird dargestel lt, welche Rolle die Ziele der Geldpolitik in der 
ökonomischen Literatur s pielen (Abschn itt 2). Absch nitt 3 diskutiert d ie 
Bedeutung von Konj unkturstabil isierung in der Geldpolitik im Eurora u m ,  
u n d  Abschnitt 4 schließt m i t  einer Diskussion über realwirtschaftliche Ziele 
i m  Rahmen der populär gewordenen l nflationszielstrategie. 
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