Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2004 Heft 2 (2)

30. Jahrgang (2004), Heft 2 
Die Ökonomie des digitalen 
Handels 
Rezension von: Michael Latzer, 
Stefan W Schmitz, Die Ökonomie des 
eCommerce. New Economy, 
Digitale Ökonomie und real­
wirtschaftliche Auswirkungen, Verlag 
Metropolis, 
Marburg 2002, 2 10  Seiten, € 24,80. 
Vor allem von Seiten der Populärwis­
senschaften, der Medien und der Poli­
tik wird oft (euphorisch) verkündet, 
dass der elektronische H andel eine 
ähnl iche Bedeutung fü r u nser Wi rt­
schaftsleben erlangen könnte, wie vor 
200 Jahren die I ndustrielle Revolution. 
Diese Sichtweise wird stark von den 
technischen Möglichkeiten der neuen 
Kommunikationsmedien geprägt, allen 
voran denen des l nternets. Die Trans­
formation des Wirtschattens in der l n­
formationsgesel lschaft und deren 
wohlfahrtssteigernde Gestaltung ist da­
her auch eine zentrale pol itische 
Zielvorstellung der Europäischen Union 
( E U )  und findet sich im Lissabon­
Prozess wieder, der ja darauf abzielt, 
die U nion bis 20 1 0  zum wettbewerbs­
fähigsten Wirtschaftsraum der Weit zu 
machen . Als Messlatte hiefür gi lt vor 
allem die US-amerikanische Wirtschaft. 
Das vorliegende Buch bietet den 
Leser i n nen in einer seh r ü bersicht­
l ichen Weise eine profunde ökonomi­
sche Analyse des eCommerce sowie 
eine Eva l u ierung seiner realwirt­
schaftlichen Auswirkungen. Von beson­
derem Interesse ist hierbei , dass die 
Autoren Michael Latzer und Stefan W. 
Schm itz sich ausfüh rlich damit aus­
einandersetzen ,  weit verbreitete An­
sichten und zentrale Wirkungshy­
pothesen des eCommerce kritisch zu 
überprüfen. 
Wirtschaft und Gesellschaft 
New Economy, dig itale Ökonomie 
oder Internet-Ökonomie zählen zu den 
Schlagwörtern in der ö konomischen 
Debatte rund um den Beg riff "eCom­
merce". Trotzdem gibt es für diese Be­
griffe kaum einheitliche Definitionen. Im 
zweiten Abschnitt widmen sich die Au­
toren ausfüh rlich d iesen Beg riffe n ,  
wobei s i e  d i e  New Economy a l s  
makroökonomisches Konzept analy­
sieren, die digitale Ökonomie hingegen 
als industrieökonomisches Konzept. 
Die unterschiedlichen Standpunkte 
zu den Auswirkungen der I nformations­
und Kommunikationstechnologie ( IKT) 
aus makroökonomischer Sicht werden 
vor allem am Beispiel der US­
Wirtschaft demonstriert. Deren Ent­
wicklung in den 90er Jahren - hohes, 
ungebrochenes Wirtschaftswachstum, 
sinkende Arbeitslosigkeit und niedrige 
I nflation - führte weltweit zu einer New 
Economy-Eu phorie. l n  der ökonomi­
schen Diskussion herrscht( e) weitge­
hend Konsens darüber, dass hierfür der 
Anstieg des jährl ichen P rod ukti­
vitätswachstu ms (durch die erhöhten 
I nvestitionen in die I KT) seit Mitte der 
90er Jahre und die gesamtwi rt­
schaftliche Rate des tech nischen 
Fortsch ritts (durch den tech nischen 
Fortschritt im IKT-Sektor) von zentraler 
Bedeutung waren .  Die Autoren hinter­
fragen d iesen allgemeinen Konsens: 
Sie zeigen auf, dass die Beschleuni­
gung des Produktivitätswachstums in 
den Perioden 1 995 bis 1 999 gegenüber 
1 990 bis 1 995 von den Vertretern der 
New Economy überschätzt wurde. Den 
G roßteil der Besch leunigung des 
Trendwachstums füh re n  sie auf Än­
derungen in den amtlichen Statistiken 
der USA zurück (Änderung der Berech­
nungsmethoden der Preisind izes und 
Adaption des I nvestitionsbeg riffes in 
der Volkswirtschaftl ichen Gesamtrech­
nung). Von diesem Blickwinkel aus be-
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