Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2005 Heft 1 (1)

31 . Jahrgang (2005), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 
politik weder expansiv noch restriktiv und es wirken ledigl ich die automa­
tischen Konjunkturstabil isatoren. 
Im Zeitraum 84-93 war die zwischen den späteren Ländern der EWU 
unabgestimmte Fiskalpol itik in sieben von zehn Jahren prozykl isch, wo­
bei in vier Jahren ( 1 985, 1 986, 1 988, 1 990) eine Erholung verstärkt und 
in  drei Jahren ( 1 991 , 1 992 , 1 993) eine konjunkturelle Dämpfung bzw. ei­
ne Rezession verschärft wurde. Im Zeitraum 94-03 war die nun zwischen 
den Mitgliedsländern im Rahmen des Konvergenzprozesses zur EWU und 
später des SWP "koordinierte" Fiskalpolitik etwas konjunkturgerechter: Es 
wurde nur noch in vier von zehn Jahren prozyklisch agiert, davon zweimal 
( 1 995, 2000) eine konjunkturelle Erholung verstärkt und zweimal ein Ab­
schwung verschärft (1 996, 2003). Im Vergleich zu den USA schneidet aber 
auch die Fiskalpolitik schlechter ab. Während die US-Fiskalpolitik im Zeit­
raum 84-93 fünfmal prozyklisch agierte und hierbei nur einmal (1 99 1 )  ei­
nen Abschwung verschärfte, war sie im Zeitraum 94-03 nur zweimal leicht 
prozyklisch und verstärkte in den Jahren 1 995 und 2000 eine konjunktu­
rel le Dämpfung. Auf den Konjunktureinbruch 2001 wurde jedoch bereits 
im selben Jahr wieder energisch expansiv reagiert. Gerade in den 1 990er 
Jahren l ieferte die US-Fiskalpolitik damit ein Beispiel für eine konjunktur­
gerechte Konsol id ierung der öffentlichen Haushalte, die bekanntlich am 
Ende des auch von der Fiskalpolitik stabi l isierten Aufschwungs wieder 
Überschüsse aufwiesen.  
Geht man davon aus, dass öffentliche Investitionen in I nfrastruktur, Bil­
dung etc. eine wesentliche Voraussetzung für private Investitionstätigkeit 
sind und zieht man den Anteil der öffentlichen Investitionen am BIP als I n­
dikator für die Wachstumsorientierung der Fiskalpolitik heran ,  so schnei­
den die USA auch h ier besser ab als die Länder der EWU. Der Anteil der 
öffentlichen Investitionen am BIP lag in den USA im gesamten Beobach­
tungszeitraum deutlich über 3% und reduzierte sich beim Vergleich der 
beiden Zehn-Jahres-Perioden nur leicht von 3,3% auf 3, 1 %. ln der EWU 
hingegen lag d ieser Anteil stets unter dem der USA und ging von durch­
schnittlich 2,9% im Zeitraum 84-93 auf durchschnittlich 2 ,5% im Zeitraum 
94-03 zurück. Die Konsolidierungszwänge des Konvergenzprozesses zur 
EWU sowie des SWP haben also nicht nur ein stärker prozyklisches Ver­
halten der Fiskalpolitik erzwungen, sie gingen auch insbesondere zulas­
ten der öffentlichen Investitionen und damit der zukünftigen Wachstums­
möglichkeiten. 
Fasst man zusammen, so liefern die Unterschiede im makroökonomi­
schen Politik-Mix eine gute Erklärung für die voneinander abweichende 
makroökonomische Performance in der EWU und in den USA.48 Schon im 
Zeitraum 84-93 waren die Ausrichtung von Geld- und Fiskalpolitik sowie 
der Lohnentwicklung in den USA deutlich konjunktur- und wachstums­
freundl icher als in den hier betrachteten europäischen Ländern. Dieser 
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