Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2005 Heft 2 (2)

3 1 .  Jahrgang (2005), Heft 2 
Österreich von Gleichbehandlungsvor­
schriften und G leichbehandlungsbe­
auftragten hören. 
ln Bezug auf die freie Religionsaus­
übung hat sich in China während der 
letzten 25 Jahre ein grundlegender 
Wandel vollzogen, welcher auch dar­
tut, dass China zu seinen traditionellen 
Wurzeln zurückkehrt. Bis Ende der 
siebziger Jahre konnte der Autor in den 
Tempeln bloß Buddhismusexperten 
und keine Mönche antreffen. Ab der 
Wende zu den achtziger Jahren sucht 
die Regierung ein positives Verhältnis 
zu den in China bestehenden großen 
Religionen.  Das sind Buddhismus, Is­
lam, das Christentum in beiden Vari­
anten und der Daoismus. Der wegen 
seiner magischen Aspekte verdächtige 
Daoismus wurde ganz zuletzt "rehabi­
litiert". Gottesdienste und die Ausbil­
dung des Nachwuchses wurden wie­
der erlaubt .  Als der Autor 1 981  ge­
meinsam mit Hugo Partisch und Sepp 
Riff im Großen Lama Tempel in Peking, 
drehte erklärte der Abt freudestrahlend, 
er sei gerade von einer Reise durch die 
Innere Mongolei zurückgekommen und 
habe sechzehn Novizen im Alter von 
1 2  bis 14 Jahren mitgebracht. 
Der Buddhismus floriert. Der Staat 
trägt zur Erhaltung der Klosteranlagen 
bei und benützt die Rel igion auch als 
Vehikel zur Pflege der Beziehungen mit 
den ost- und südostasiatischen Staa­
ten .  Diese Methode wird auch gegen­
über dem Daoismus angewandt. Es 
existiert im südlichen China eine so ge­
nannte Mazu- oder Tianhou-Kultur; wel­
che in ganz Südostasien , in Kalifornien 
und sogar in Brasil ien ihre Anhänger 
hat. Mazu war ein Fischermädchen aus 
Fujian , welche nach ihrem Tod zur Him­
melska iserin ,  zur Schutzgöttin des 
Meeres aufgestiegen ist. Unter dem 
wohlgefälligen Auge der Behörden reis­
te vor einigen Jahren die Statue aus 
Wirtschaft und Gesellschaft 
dem Haupttempel in Fuj ian mit der 
Evergreen Airline nach Taiwan, um den 
Mazu-Statuen in den dortigen Tempeln 
einen Besuch abzustatten.  Bei Pro­
zessionen und Tempelfesten ,  welche 
mit unseren kirch lichen Feier- und 
Kirchtagen vergleichbar sind, wirken die 
Parteifunktionäre mit und lassen sich 
in den Tempeln auch gerne Karriere­
sprünge wahrsagen. 
Der von den ethnisch chinesischen 
Hui praktizierte Islam ist tolerant und 
wurde zur Zeit Maria Theresias sogar 
vom chinesischen Kaiser Qian Lang 
den missionierenden Jesuiten als Vor­
bi ld der Toleranz entgegengehalten .  
Belasteter ist das Verhältnis der Zent­
rale zu den moslemischen Minoritäten 
in Xinjiang, wo die Tal iban, aber auch 
Geistliche aus den ehemaligen sowje­
tischen Republ iken versuchten , den 
Fundamentalismus zu verbreiten. Von 
den beiden Spielarten des Christen­
tums tat sich die protestantische leich­
ter, weil sie im Gegensatz zur römisch­
katholischen Kirche dezentral arbeitet. 
Es ist nicht al lgemein bekannt, dass 
sich in Nanking ein großes staatlich ge­
fördertes Zentrum christlicher Kunst be­
findet. Das vielfältige Schaffen doku­
mentiert sich in zahlreichen Bildern und 
Plastiken .  Es gelang dem Autor ge­
meinsam mit dem Kunsthistorischen 
Museum, eine Auswahl  dieser Werke 
zum ersten Mal nach Europa zu brin­
gen, welche dann im Palais Harrach 
von vielen bestaunt wurden, d ie sich 
nicht hatten vorstellen können, dass so 
etwas in China möglich sei. 
Das Schicksal der katholischen Lan­
deskirche war schwieriger. Der Primat 
des Papstes und vor al lem die diplo­
matischen Beziehungen zwischen Rom 
und dem Vatikan bi ldeten erhebliche 
Hindernisse. Während der letzten ca . 
zehn Jahre hat sich eine Annäherung 
ergeben. Der Chef der chinesischen 
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