Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 2005 Heft 2 (2)

3 1 .  Jahrgang (2005), Heft 2 Wirtschaft und Gesellschaft 
der Arbeit aus. Kapitel vier untersucht diesen Zusammenhang und fragt, 
welche Rahmenbedingungen unterstützend auf die Verbesserung der Ar­
beitsplatzqual ität wirken können. Es werden also Einflussmöglichkeiten 
und Grenzen staatl icher Steuerungskapazitäten aufgezeigt. Konkret wer­
den folgende Rahmenbedingungen diskutiert: Gleichbehandlung der Ge­
schlechter bzw. Reduktion von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ge­
nerel l  (einschl ießl ich einer Diskussion von Diskriminierung von Frauen 
außerhalb des Arbeitsplatzes am Beispiel von Kinderbetreuungsstel len); 
Regul ierungen der Arbeitsbeziehungen anhand der Fal l beispiele Be­
schäftigungsschutz und Arbeitszeitregulierungen, und institutionelle Rah­
menbedingungen der Lohnbildung einschließlich deren Wirkung auf Lohn­
höhe und Beschäftigungsniveau.  
Der von der Europäischen Kommission vertretene positive Kausalzu­
sammenhang zwischen Arbeitsqual ität und Wirtschaftswachstum sowie 
zwischen Arbeitsqualität und Produktivität wird in Kapitel fünf dieses Bei­
trags anhand neuerer Literatur zu Wirtschaftswachstum h interfragt. Im  
Konkreten wird die Wirkung folgender Qual itätskomponenten der Arbeit 
auf das Wachstum diskutiert: Bi ldungsmöglichkeiten, wobei hier sowohl 
Aus- als auch Weiterbi ldung diskutiert werden; Reduktion von Diskrimi­
nierung ; und Existenz eines sozialen Dialogs (Lohnbi ldung im Verhand­
lungsprozess). Eine zusammenführende Diskussion der Theorieansätze 
(Kapitel sechs) soll abschließend eine differenzierende Einschätzung des 
Qualitätskonzepts der Kommission ermögl ichen . 
2. Qualität der Arbeit in der europäischen 
Beschäftigungsstrategie 
2.1 Historischer Abriss der EU-Beschäftigungspolitik 
Das Gerüst einer europäischen Beschäftigungsstrategie ist Mitte der 
1 990er Jahre auf Grund der Erfahrung rasch ansteigender Arbeitslosen­
zahlen im gesamten EU-Raum entstanden. Vorerst war d ie Beschäfti­
gungspolitik ausschließlich Angelegenheit der Mitgliedstaaten der EU, und 
Aufgabe der Europäischen Kommission war es, die zwischenstaatliche 
Zusammenarbeit zu fördern. Rechtliche Kompetenzen erhielten die sup­
ranationalen Organe erst durch den in den Amsterdamer Vertrag von 1 997 
eingebauten BeschäftigungstiteL Dieser legte den Grundstein für die ge­
meinsame koordinierte Beschäftigungsstrategie, und ein hohes Beschäf­
tigungsniveau wurde zu einem der Schlüsselziele der Union erklärt. Die 
Koordination der Beschäftigungspolit iken wurde einem Länderüber­
wachungsverfahren unterstellt.9 Auf messbare makroökonomische Ziel­
setzungen konnte man sich nicht verständigen, doch wurde das Ziel der 
Schaffung von Arbeitsplätzen primär durch d ie Lösung struktureller Be-
1 99
        

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